Steag baut im Ruhrgebiet - und wächst im Ausland

Steag baut im Ruhrgebiet - und wächst im Ausland

Von Jörg Marksteiner

  • Kohleverstromer gehört sechs Ruhrgebiets-Stadtwerken
  • Neues Gaskraftwerk entsteht im Sommer in Herne
  • Für Gewinn sorgen derzeit vor allem Auslandsprojekte
  • Kritiker sehen das nicht als kommunale Aufgabe

Der Essener Energieversorger Steag wächst vor allem im Ausland. Das ist nicht unumstritten. Denn die Eigentümer sind sechs Stadtwerke aus dem Ruhrgebiet.

Neues Gaskraftwerk in Herne

Noch im Sommer sollen die Bauarbeiten beginnen: In Herne will die Steag ein neues Gas- und Dampfkraftwerk bauen. "Eine der effizientesten Anlagen der Welt", schwärmte der Energiekonzern am Dienstag (09.04.2019) bei der Bilanz-Pressekonferenz in Essen.

"Das ist eine mehrere Hundert-Millionen-Euro-Investition", sagt Firmenchef Joachim Rumstadt. "Da gehen hier überall die Herzen auf, dass wir das hier in der Region machen." Die Anlage soll in dreieineinhalb Jahren am Netz sein.

Für den Essener Energieversorger ist die Anlage doppelt wichtig: Damit soll die Abhängigkeit von den Kohlekraftwerken sinken. Als einer der größten Verstromer von Steinkohle bekommt die Steag die Folgen der Energiewende besonders zu spüren. Mehrere Blöcke in NRW wurden schon abgeschaltet.

Auslandsprojekte sorgen für Gewinn

Gleichzeitig ist die Investition in der Heimat auch ein Signal an die Kritiker. Denn obwohl sie sechs Ruhrgebiets-Stadtwerken gehört, sorgen Auslandsprojekte schon für fast 60 Prozent des Gewinns. Kraftwerke in Kolumbien, Erdwärme in Indonesien, Fernwärme in Polen. Kritiker sehen das nicht als Aufgabe kommunaler Versorger.

Im Jahr 2010 hatten die Revierstädte Dortmund, Essen, Bochum, Oberhausen, Duisburg und Dinslaken über ihre Stadtwerke den Versorger Steag in zwei Schritten für 1,2 Milliarden Euro gekauft und dafür hohe Kredite aufgenommen.

Steag: Fragwürdige Auslandsgeschäfte Westpol 17.02.2019 UT DGS Verfügbar bis 17.02.2020 WDR

Städte wollen Anteile verkaufen

"Ein Drittel der ursprünglichen Schulden ist inzwischen getilgt", sagte Steag-Finanzchef Michael Baumgärtner am Montag. Die Städte bekommen zwar seit Jahren Geld von der Steag – in diesem Jahr 45 Millionen Euro –, um ihre Schulden abzutragen, doch erhoffte, zusätzliche Gewinne blieben aus.

Die Energiewende machte einen Strich durch die Rechnung. Einzelne Städte diskutieren deshalb offen über einen Verkauf ihrer Anteile. Vorher will das Städte-Konsortium aber einen 400-Millionen-Euro Kredit verlängern.

Stand: 09.04.2019, 16:11

Weitere Themen