WDR5 Stadtgespräch: Sind Corona-Demos solidarisch?

Stand: 17.02.2022, 23:04 Uhr

In vielen Städten protestieren Menschen regelmäßig gegen Corona-Maßnahmen, regelmäßig gibt es Gegendemos. Die Worte über "die anderen" sind oft harsch, der Ton verschärft - auch im Privaten. Der Konflikt war am Abend Thema beim WDR5 Stadtgespräch.

Von Olaf Biernat

"Ich habe keine Rechten gesehen auf unseren Corona-Demos", sagt Christian Garcia Diaz. Er tritt bei Corona-Demonstrationen regelmäßig in einem Dinosaurier-Kostüm auf und organisiert die Montags-Proteste in Mülheim an der Ruhr. Er findet, die Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen, Menschen ohne Impfung oder solche mit Maskenbefreiung werden zu oft und zu schnell in die rechte Ecke gestellt, wirklich zugehört werde ihnen hingegen nicht.

Das WDR5 Stadtgespräch fand am Donnerstag erneut wegen Corona nicht vor Ort statt, sondern als Studioproduktion. Mit dabei Sozialwissenschaftler Alexander Häusler von der FH Düsseldorf. Er forscht unter anderem zu den Montagsdemos und hat eine andere Meinung als Garcia Diaz: "Wir dürfen nicht die Augen verschließen vor einer Radikalisierung der Protestierenden. Es gibt Milieus von Rechtsaußen, wie etwa die Freien Sachsen, die die Proteste ausnutzen", so Häusler.

Umstrittene Montagsspaziergänge

"Coronasaurus" Christian Garcia Diaz fordert, dass man Protestierenden zuhört | Bildquelle: WDR / Antje Seemann

In der einstündigen Sendung melden sich immer wieder auch Hörerinnen und Hörer telefonisch, wie zum Beispiel Frau Derksen. Die Anruferin erzählt, sie hat selbst an Montagsspaziergängen teilgenommen und sich dabei wohlgefühlt. Sie stellt der Runde die Frage: "Wie kann ich mich für Impffreiheit einsetzen, ohne in den rechten Topf geworfen zu werden?"

Nach Morddrohungen ruft Pfarrerin dazu auf, sich von Rechten zu distanzieren

Eine Antwort kam von Melanie Jansen aus Herne. Die Pfarrerin leitet Gedenkgottesdienste für Corona-Opfer und bekam Morddrohungen. Sie rät Teilnehmern der Demos, sich von Rechten abzugrenzen. "Ich würde mir wünschen, dass wir wieder mehr ins Miteinander und Reden kommen. Was nicht geht, ist Gewalt", so die Pfarrerin.

Lautstarke Diskussion

Die Diskussion wird hitzig und als sich Christian Garcia Diaz und Sozialwissenschaftler Alexander Häusler lautstark streiten, unterbricht Moderatorin Judith Schulte-Loh die Debatte: "Halt, Stopp", sagt sie. Später entschuldigt sich der "Coronasaurus" bei dem Forscher der FH Düsseldorf für das von ihm genutzte Wort "Nazikeule" und ruft dazu auf: "Wir müssen uns wieder zuhören, auch denen, die Ängste haben."

Aufruf zu gegenseitigem Verständnis

Auch Anrufer Michael Mann glaubt, das Problem nur über gegenseitiges Verständnis zu lösen: "Ich nehme mir Zeit, bei meinem Gegenüber nachzufragen. Warum hast du Angst?" Niemand sei bereit, mal rüberzugehen und sich damit auseinanderzusetzen.

"Menschlich noch viel aufzuarbeiten"

Das ist auch das, was die Teilnehmer und Zuhörer am Ende der Diskussion mitnehmen. Ob die verhärteten Fronten sich in nächster Zeit auflösen, ist an diesem Abend nicht zu klären, aber ein Schlüssel könnte sein, mehr Verständnis zu zeigen. Und der "Coronasaurus" Garcia Diaz sagt zum Schluss: "Ich weiß nicht, ob die Demos mit der Beendigung der Corona-Maßnahmen aufhören. Denn wenn im Herbst die Zahlen wieder steigen, geht alles von vorne los. Wir haben menschlich noch viel aufzuarbeiten."