Junge Athletinnen enttäuscht über drohendes Olympia-Aus

Nicola Kondziella springt beim Weitsprung

Junge Athletinnen enttäuscht über drohendes Olympia-Aus

Von Katrin Puvogel und Simon Voigt

Olympia in der Region Rhein-Ruhr steht vor dem Aus: Zwei Sportlerrinnen aus dem Ruhrgebiet erzählen, was die Entscheidung für sie bedeutet.

Für junge Sportler und Sportlerinnen im Ruhrgebiet droht ein Traum zu platzen: Olympische Spiele mit Heimvorteil. Das Olympische Komitee hat sich dafür ausgesprochen, die Spiele im Jahr 2032 in Australien auszutragen - und nicht in der Region Rhein-Ruhr.

Portraitbild von Nicola Kondziella

Nicola Kondziella hatte sich auf Olympia im eigenen Land gefreut.

„Ich bin schon enttäuscht über die Entscheidung“, sagt Nicola Kondziella. Die Leichtathletin startet für den TV Wattenscheid unter anderem im Weitsprung. Letztes Jahr ist sie Deutsche U20-Meisterin geworden. „Olympia mit Heimvorteil wäre eine unglaubliche Motivation für mich gewesen“, sagt die 18-Jährige.

Heimvorteil fällt weg

Das hat zwei Gründe: Einmal geht’s ganz praktisch um die Anlagen. „Hier wäre ich natürlich an die Bahn gewöhnt und müsste mich nicht auf ein neues Umfeld einstellen. Ein Wettkampf woanders bedeutet auch mehr Arbeit mental“, erklärt Kondziella.

Mindestens genauso wichtig ist es für Nicola Kondziella aber auch, dass es bei Spielen im Ruhrgebiet einfacher gewesen wäre, Unterstützung aus dem direkt Umfeld zu bekommen: „Freunde und Familie können natürlich nicht so leicht nach Australien fliegen, wie sie hier zu den Wettkämpfen kommen könnten.“

Sportlerinnen hatten sich auf Fan-Support gefreut

Leichtathletin Lilly Kaden läuft auf einer Bahn

Lilly Kaden ist U20-Meisterin im 100-Meter-Sprint

Das beschäftigt auch Lilly Kaden, die U20-Meisterin im 100-Meter-Sprint ist. Auch sie sieht einen großen Heimvorteil bei den Fans: „Die deutschen Leichtathletik-Fans sind sehr euphorisch und können einen zu Bestleistungen bringen“, sagt die 19-Jährige. „Ich hätte es auch schön gefunden, wenn die ganze Region Rhein-Ruhr für die Spiele zusammengekommen wäre.“

Final ist die Entscheidung noch nicht - die Chancen für Olympia in NRW sind aber durch die Empfehlung des Komitees deutlich kleiner geworden. Aufgeben will die Landesregierung aber nicht - NRW-Ministerpräsident Laschet will sich am Freitag noch mal mit den betroffenen Kommunen treffen und beraten, wie es jetzt weitergehen kann.

Olympia ist langfristiges Ziel

Für die jungen Sportlerinnen ist Olympia jedenfalls so oder so ein sportliches Ziel - egal ob es „Heimspiele“ werden, oder die Leichtathletinnen dafür nach Australien fliegen. Nicola Kondziella denkt dabei aber gerade noch eher langfristig: „Olympische Spiele - das hört sich krass an. Dass ich zum Beispiel in drei Jahren in Paris dabei sein könnte, scheint mir gerade noch weit weg“, sagt Kondziella.

Mit ihrem Trainer plant sie eher in kleineren Schritten, ein bis zwei Jahre im Voraus. „Man weiß ja auch nie, ob zum Beispiel noch eine Verletzung kommt. Die Karriere auf zehn Jahre zu planen, ist da sehr schwer.“ Auch Lilly Kaden denkt von Wettkampf zu Wettkampf und trainiert aktuell für die U23 Leichtathletik-EM in diesem Jahr.

Stand: 25.02.2021, 17:23