Viele Menschen warten in einer Schlange vor dem Dortmunder Sozialamt.

Ukraine-Krieg: Geflüchtete bringen NRW-Kommunen an die Grenzen

Stand: 11.03.2022, 15:39 Uhr

Die vielen unkoordiniert ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine bringen viele Kommunen an die Belastungsgrenze. In immer mehr Kommunen sind schon alle städtischen Aufnahmeplätze belegt.

300, 400 Ukrainer stehen vor dem Dortmunder Sozialamt in einer langen Schlange und warten, dass es endlich vorwärts geht. Minütlich kommen neue hinzu. Sie werden von Mitgliedern der Gewerkschaft der Polizei mit Wasser und kleinen Snacks wie eingepackten Waffeln versorgt.

Dortmunder Sozialamt hat 7-Tage-Woche

Das Sozialamt an der Leopoldstraße ist die zentrale Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine. Hier können sie finanzielle Unterstützung beantragen. Hier werden auch Unterkünfte vergeben. Wegen des großen Andrangs ist das Sozialamt aktuell sieben Tage die Woche bis 18 Uhr geöffnet.

Alle 900 Übernachtungsplätze belegt

Inzwischen gibt es in Dortmund auch keine Übernachtungsmöglichkeiten mehr für diese Menschen. Alle 900 Plätze sind belegt. Am Morgen waren noch 200 frei. Die sind nun auch belegt. Das Sozialamt verweist alle Ukrainer an die Zentrale Aufnahmestelle in Bochum, die für die Verteilung in NRW zuständig ist.

So sieht die Lage auch in anderen Kommunen in NRW aus. In Mülheim sollen nochmals kurzfristig 200 Plätze bereit gestellt werden. Die Stadt rechnet aber damit, dass die direkt wieder voll sein werden.

Problem: Privatleute organisieren Ankunft

Das Problem: Immer häufiger organisieren Privatleute die Ankunft der Ukrainer und bitten die Stadt dann um Hilfe bei der Unterbringung. Es müsse deswegen dringend ein geregeltes Aufnahmesystem mit einem festen Verteilungsschlüssel her, so die Stadt. Bis auf weiteres will sie alle ankommenden Flüchtlinge nach Bochum in eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes schicken.

Halle von Kölnmesse angemietet

In Köln wird in der Kölnmesse eine ganze Halle angemietet. Dort können bis zu 1.500 Menschen aus der Ukraine untergebracht werden. Mehrere hundert weitere Plätze sucht die Stadt zum Beispiel in Hotels. Es sei derzeit nicht absehbar, wann der Zahl der Flüchtenden geringer werde, heißt es von der Stadt Köln.

Am Ausländeramt in Köln-Kalk gibt es bereits lange Warteschlangen. Flüchtende wollen sich dort registrieren lassen. Dies sei in den ersten neunzig Tagen aber gar nicht notwendig, so die Stadt.

Deutscher Städtetag plant Flüchtlingsgipfel

Der Deutsche Städtetag hat sich für einen Flüchtlingsgipfel von Bund, Ländern und Kommunen ausgesprochen. Am kommenden Donnerstag wird die Ministerpräsidentenkonferenz mit Bundeskanzler Scholz die Flüchtlingssituation beraten, aber eben ohne Vertreter der Kommunen. Grundfragen sind für die Städte vor allem Verteilung der Menschen und der Kosten.

Viele Fragen in einer dramatischen Situation und die beschreibt Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal: "Wir haben keine genaue Vorstellung von dem, was auf uns zukommt. Das Lagebild ist diffus."

Ukraine-Flüchtende: Schaffen wir das?

WDR RheinBlick 11.03.2022 27:58 Min. Verfügbar bis 11.03.2023 WDR Online


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