Dortmund: Trotz hoher Corona-Zahlen nicht mehr Schulbusse

Schüler steigen aus einen Schulbus

Dortmund: Trotz hoher Corona-Zahlen nicht mehr Schulbusse

Von Cordula Krell

Die meisten der 72.000 Schüler in Dortmund nutzen den ÖPNV für den Schulweg. Das Tragen von Atemmasken ist zum Schutz vor Corona Pflicht, ein mulmiges Gefühl fährt aber mit.

An der Bushaltestelle "Renninghausen" gibt es gleich drei Schulen mit insgesamt 1.700 Schülern. Entsprechend voll sind die Busse, die am Montagmorgen hier ankommen.

"Im Bus ist es stickig und heiß"

Linus Welzel ist einer der Schüler, die hier aussteigen. Der 10-Jährige geht in die fünfte Klasse des Helene-Lange-Gymnasiums. Er ist froh, dass er raus darf. "Es ist kein schönes Gefühl im Bus, es ist sehr stickig da drinnen und heiß". Frische Luft komme nur durch die Kippfenster. Jetzt im Herbst sorgen auch noch die dicken Jacken dafür, dass es zu warm ist. "Wenn ich aussteige, dann fühle ich mich, als wäre ich acht Runden auf dem Sportplatz gelaufen."

Fahrradstrecke führt an gefährlicher Straße entlang

Nach den Ferien ist es noch enger im Bus, sagt er, denn nun kommen weniger Kinder mit dem Fahrrad. Eine Option, die für Linus und seine Eltern nicht in Frage kommt. Sein Schulweg führt ihn drei Kilometer über eine Hauptverkehrsstraße mit vielen Einmündungen. Hier passieren häufig Unfälle.

Mehr Elterntaxis durch Corona

Jan Welzel, sein Vater, weiß von einem Kind aus der Nachbarschaft, das jetzt von den Eltern zur Schule gefahren wird. Die Polizei kann einen Trend zum "Elterntaxi" bestätigen. In Dortmund und Lünen sei durchaus eine Steigerung erkennbar, vor allem bei den weiterführenden Schulen. 

Linus mit seinem Vater Jan Welzel

Linus mit seinem Vater Jan Welzel

Eine Lösung, die Jan Welzel für Linus ablehnt. Trotzdem müsse etwas passieren: "Die Maßnahmen in der Schule, wie Maskenpflicht und Lüften, hinter denen wir voll stehen, werden durch das Gedränge in den vollen Bussen ad absurdum geführt."

Vater wünscht sich zeitversetzten Unterrichtsbeginn

Für ihn könnte eine Lösung sein, den Unterrichtsbeginn noch mehr zu entzerren. Die Anfangszeiten der drei Schulen hier sind bereits zeitversetzt, um circa zehn Minuten. Mehr sei nicht drin, sagt der Direktor des Gymnasiums - weil es hier nur Doppelstunden gibt und die Schüler den Unterrichtstoff sonst nicht schaffen könnten.

Das reicht nicht, meint der Familienvater. Die Masse der Schüler komme eben erst kurz vor Unterrichtsbeginn.

Verkehrsbetriebe: Bereits doppelt so viele Busse

Die Dortmunder Verkehrsbetriebe DSW21 setzen trotz gestiegener Corona-Zahlen nicht mehr Busse ein, als vor den Ferien. Man habe seit Schulstart bereits kräftig aufgestockt. Statt mit 200 Fahrten ist man jetzt mit 440 Fahrten im Schulverkehr dabei. "Mehr geht einfach nicht", sagt Sprecherin Britta Heydenbluth. "Bei DSW21 rollt an Schultagen wirklich alles, was rollen kann, sowohl im eigenen Fuhrpark als auch im Fuhrpark unserer insgesamt acht Fremdunternehmer."

Stadt Dortmund will mehr Fördermittel beantragen

Bis Ende November will die Stadt weitere Fördermittel beantragen und das Geld an die DSW21 weitergeben.

Insgesamt Rückgang von Fahrgästen

Seit Corona fahren insgesamt aber deutlich weniger Menschen mit Bus und Bahn. Die Verkehrsbetriebe in NRW melden 22 Prozent weniger Fahrgäste im zweiten Quartal 2020, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

Stand: 26.10.2020, 12:48