Hebammen in NRW fühlen sich überlastet

Hebammen in NRW fühlen sich überlastet

Von Stephanie Grimme

  • Zu viele Aufgaben für Klinikhebammen
  • Beleg-Hebammen haben sechs Monate Vorlaufzeit
  • Wochenbettbetreuung einzigartig
  • NRW-Gesundheitsminister zufrieden

Viele Hebammen fühlen sich komplett überlastet. Auf der anderen Seite haben werdende Mütter Probleme, Hebammen für die Betreuung vor und nach der Geburt zu finden. Das ist das Ergebnis einer Studie, die am Mittwoch (20.11.2019) in Bochum vorgestellt wird.

Sichere Geburt nicht gewährleistet

Vor allem Hebammen in Kliniken klagen über zu viel Arbeit. Fast jede zweite (43 Prozent) hatte im Monat vor der Befragung im Jahr 2018 eine sogenannte Gefahrenanzeige geschrieben, weil sie eine sichere Geburt wegen Arbeitsüberlastung als nicht gewährleistet ansah.

Hebammenversorgung: "Der Schichtdienst stört"

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.11.2019 07:26 Min. Verfügbar bis 19.11.2020 WDR 5

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Hebammen müssen putzen

Viele klagen, dass sie neben den Geburten zu viele andere Aufgaben übernehmen müssen: Das Einräumen von Medikamenten, Bestellungen von Krankenhauszubehör, Labortätigkeiten oder auch zu putzen.

Auch Hebammen, die selbständig arbeiten sehen sich am Limit ihrer Kapazität. Das spüren auch die werdenden Mütter: Sie müssen im Schnitt vier verschiedene Hebammen anfragen, bevor sie eine finden, die Zeit hat. Die Hälfte der so genannten Beleghebammen ist sechs Monate im Voraus ausgebucht.

Lob für Wochenbettbetreuung

Erstellt wurde die Studie im Auftrag der Landesregierung, weil es bisher kaum Zahlen über die Lage bei der Hebammenhilfe in NRW gab. Insgesamt haben 1.900 Hebammen und 1.700 Mütter teilgenommen.

Bei aller Kritik betonen die Wissenschaftler, die die Studie erstellt haben, aber auch, dass die Betreuung in Deutschland gut funktioniere. So eine intensive Wochenbettbetreuung nach der Geburt gebe es in keinem anderen Land.

Praxisübungen für Hebammenstudenten Lokalzeit Ruhr 06.09.2019 05:22 Min. Verfügbar bis 06.09.2020 WDR Von Nicole Noetzel

Gesundheitsminister will Hebammen stärken

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann ist mit den Ergebnissen der Studie im Großen und Ganzen zufrieden. Bundesweit vorgeschrieben ist, dass Geburtskrankenhäuser in 40 Minuten erreichbar sein müssen. In NRW seien es weniger als 30 Minuten.

Laumann möchte Hebammen in Kliniken künftig mehr Verantwortung übertragen, durch hebammengeführte Kreißsäle. Außerdem will er den Nachwuchs sicherstellen, indem es künftig mehr Ausbildungsmöglichkeiten an Fachhochschulen geben soll.

Stand: 20.11.2019, 08:06