"Eigentlich ist man traurig, dass man diese Zeit noch durchmachen muss"

Eine Pflegerin mit WDR-Interview interviewt eine Essener Seniorin in ihrem Altenheimzimmer

"Eigentlich ist man traurig, dass man diese Zeit noch durchmachen muss"

Von Solveig Bader

  • Senioren im Altenheim sprechen über ihre Sorgen in Corona-Zeiten
  • Bald Besserung durch Besuchsmöglichkeit
  • Isolation macht dennoch zu schaffen

Viele Senioren in Altenheimen haben sicherlich lange auf die Nachricht von Dienstag (05.05.2020) gewartet: Ab Sonntag können sie wieder Besuch von ihren Angehörigen und Freunden bekommen - wenn auch unter strengen Schutzmaßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen.

Senioren in zwei Altenheimen im Ruhrgebiet haben ihren Pflegerinnen für den WDR erzählt, was sie in der Corona-Zeit bewegt, was ihnen besonders Kummer bereitet - aber auch, worauf sie sich freuen, wenn nach und nach wieder Normalität auch für sie einkehren wird.

Endlich wieder Familienbesuch im Altenheim

03:33 Min. Verfügbar bis 06.05.2021

Karin Zumbusch: "Ich möchte so gerne meine Kinder und Enkel einmal in den Arm nehmen."

Portrait von Seniorenheimbewohnerin Karin Zumbusch aus Herne

Karin Zumbusch, Herne

"Wir wissen ja gar nicht, wie lange wir noch leben und noch Besuche empfangen können und dürfen. Jetzt bin ich 95 und eigentlich ist man traurig, dass man jetzt diese Zeit noch durchmachen muss, aber wir schaffen das."

Karin Zumbusch lebt im Eva-von-Tiele-Winckler-Haus in Herne und zeigt Verständnis für die aktuelle Lage. Trotz aller Sorgen ist sie froh, dass die Pfleger in ihrer Einrichtung trotz Corona-Beschränkungen viel für die Bewohner tun: "Ich bin froh, wenn die Helfer manchmal fünf Minuten Zeit für einen haben und man mal ein bisschen redet, Persönliches, und das braucht man, wenn man sonst keine Besuche haben darf."

Ludger Abts: "Im Großen und Ganzen ist es nicht einfach, diese Zeit zu überbrücken."

Portrait von Seniorenheimbewohner Ludger Abts aus Essen

Ludger Abts, Essen

"Diese Einsamkeit ist es, die mich auch viel zum Nachdenken bringt."

Ludger Abts wohnt in Essen im Seniorenzentrum St. Martin. Auch er freut sich, dass Besuche bald wieder möglich sein werden. Er habe sich in den letzten Wochen oft daran erinnert, dass ihm vor einigen Jahren ältere Menschen erzählt hatten, alt werden sei grausam. Zumindest aktuell kann Ludger Abts das offenbar bestätigen.

Walburg Speitel: "Man fühlt sich ja jetzt schon ein bisschen vereinsamt."

Portrait von Seniorenheimbewohnerin Walburg Speitel aus Herne

Walburg Speitel, Herne

„Mein größter Wunsch wäre, dass so bald wie möglich wir auch Besucher empfangen können. Keiner kann kommen. Man kann sich nur telefonisch unterhalten.“

Walburg Speitel aus dem Eva-von-Tiele-Winckler-Haus in Herne sehnt sich schon sehr nach dem kommenden Wochenende. Dem stimmt auch Annegret Rohwedel zu, die ebenfalls in der Einrichtung wohnt. Die bisherige Besuchsituation habe sie in den letzten Wochen stark gefordert:

"Meine Tochter kann ich mal durch die Scheibe sehen, und dann telefonieren wir auch und schreiben uns auch, das klappt schon ganz gut. Trotzdem ist das doch mal so, dass ich ein bisschen in der Ecke sitze und ein bisschen weine."

Stand: 05.05.2020, 20:08