Sekten-Info NRW warnt vor "Shinchonji" im Ruhrgebiet

Hände zum Gebet erhoben

Sekten-Info NRW warnt vor "Shinchonji" im Ruhrgebiet

Von Ann-Kristin Pott

  • Hoher psychischer Druck und soziale Isolation
  • Betroffene wenden sich von Familie und Job ab
  • Sekten-Info-NRW: Etwa 200 Anhänger im Ruhrgebiet

Die Sekten-Info NRW warnt vor der Gruppe "Shinchonji". Besonders in der Essener Fußgängerzone würden immer wieder Menschen für eine vermeintliche Umfrage zu den Themen "Glück" oder "Religion" von Missionaren angesprochen. Den Namen "Shinchonji" nennen sie dabei nicht.

Nach dem ersten Kontakt werden die Angesprochenen zu einem Bibelkurs eingeladen. Die ersten Einzeltreffen finden in Cafés statt. Danach folgt dreimonatiger Gruppenunterricht in angemieteten Räumen.

Sekten-Info NRW warnt vor "Shinchonji"

Die Sekten-Info NRW kritisiert, dass die Gruppe unter falschen Vorzeichen missioniere. Betroffene wissen demnach nicht, mit wem sie es zu tun haben. Denn der Name "Shinchonji" fällt erst im zweiten Bibelkurs, also nach bis zu sechs Monaten. Auf Nachfrage gibt die Gruppe vor, eine freie, christliche Gemeinde zu sein.

Das stimmt laut Christoph Grotepass von der Sekten-Info nicht: "Es ist eine Sondergemeinschaft mit messianischem Endzeitpastor. Der meint, er sei alleinig im Besitz der wahren Auslegung der Bibel". Ihren Ursprung hat die Gruppe in Korea, die Mitglieder kommen mittlerweile aus aller Welt.

Missionierung steigt an

Die Missionare in Essen haben afrikanische, türkische und andere europäische Wurzeln. Sie sammeln Informationen über das soziale Umfeld, die finanzielle Situation oder die psychische Verfassung der neuen Mitglieder. Dieses Jahr haben sich 25 Betroffene bei der Sekten-Info gemeldet, also etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Beratungsstelle geht davon aus, dass es im Ruhrgebiet etwa 200 "Shinchonji"-Mitglieder gibt. Die NRW-Zentrale liegt in Essen, aber auch in Dortmund gebe es einen Standort.

Großer psychischer Druck

Das Gefährliche an "Shinchonji" ist, dass die Mitglieder kontrolliert werden und laut einer Betroffen nicht mit anderen Schülerinnen und Schülern in Kontakt stehen dürfen. Es werde großer psychischer Druck aufgebaut, so die Betroffene. Der Bibelunterricht finde viermal die Woche statt und sei Pflicht.

Aussteigerin Sandra, deren Name geändert wurde, hat den Unterricht als Gehirnwäsche empfunden: "Ich hab mich schlecht gefühlt, weil ich dachte, dass ich von Satan abstamme, weil die einem das so eingeprägt haben. Ich war wie hypnotisiert". Sie hat ihr Studium, Freunde und Familie vernachlässigt. Von "Shinchonji" wusste sie bis zu ihrem Ausstieg nichts.

Viele Aussteiger haben Sorge, weil so viele Informationen über sie gesammelt wurden und sie nicht wissen, was damit passiert. Manche haben auch Angst vor Übergriffen. Körperliche Gewalt ist der Sekten-Info aber nicht bekannt. Sandra wurde vor allem häufiger angerufen und per WhatsApp kontaktiert. Sie hat aber mit der Gruppe abgeschlossen.

Stand: 28.08.2019, 10:31