Schulprojekt in Dortmund gegen Loverboys und Prostitution

Aktion an Dortmunder Schule gegen Loverboys und Prostitution 04:24 Min. Verfügbar bis 26.02.2020

Schulprojekt in Dortmund gegen Loverboys und Prostitution

Von Anastasia Mehrens

  • Projekt in Dortmund möchte Jugendliche sensibilisieren
  • Loverboys zwingen Mädchen zur Prostitution
  • Opfer werden meist an Schulen angesprochen

Im Projekt "Liebe macht süchtig" an der Johann-Gutenberg-Realschule in Dortmund lernen Schüler der 8. bis 10. Klassen, die Masche der sogenannten Loverboys zu durchschauen.

Loverboys sind junge Männer, die minderjährigen Mädchen Liebe vorgaukeln, sie emotional abhängig machen und anschließend in die Prostitution zwingen – oft mit Drogen, Erpressung und Gewalt. Die Opfer werden meist an Schulen angesprochen. Das Projekt soll die Schüler auf die Gefahr aufmerksam machen.

Aufeinander achten steht im Fokus

In Workshops erfahren die Schüler, welche Strategien die Loverboys anwenden, überlegen zusammen, wie man nicht darauf hereinfällt und erfahren, wo sie bei Bedarf Hilfe bekommen. Zudem soll das Projekt die Jugendlichen animieren, mehr aufeinander zu achten.

"Wenn man ein bisschen mehr aufpasst, bzw. die Mitschüler schauen, wie verändern sich gerade die Mädchen in der Klasse. Ist es noch normal oder schon merkwürdig? Die Augen offen zu halten, ist schon ein Erfolg", sagt Hanna Biskoping von der Dortmunder Mitternachtsmission, die das Projekt fachlich unterstützt.

Zehn neue Fälle von Loverboys

Im Jahr betreut Biskoping etwa 100 Mädchen und Jungen. Die Hälfte von ihnen wurde zur Prostitution gezwungen. Alleine 2018 gab es in Dortmund zehn neue Fälle von Loverboys. Doch die Dunkelziffer liege viel höher, sagt sie.  

Da ihre jüngste Klientin erst 13 Jahre alt war, empfiehlt Biskoping, mit der Präventionsarbeit bereits in der 7. Klasse anzufangen. Denn Mädchen seien in der Identitäsbildung unsicher und genau das würden Loverboys ausnutzen. Es sei schon viel gewonnen, wenn über das Thema aufgeklärt und gesprochen werde.

Kreative Ideen sollen auf Gefahr aufmerksam machen

Mit dem Thema befassen sich die Schüler nicht nur kritisch, sondern auch kreativ. Im Herbst haben sie Schlüsselanhänger mit Infoflyern gestaltet. Jetzt entwerfen sie ein Plakat, mit dem sie am Hauptbahnhof auf die Gefahr aufmerksam machen wollen. Auch einen Song haben sie geschrieben, den sie allen Betroffenen widmen. 

Stand: 05.03.2019, 16:26