Studentin von Schlüsseldienst abgezockt

Schlüsseldienst zockt Studentinnen ab 06:25 Min. Verfügbar bis 24.04.2020

Studentin von Schlüsseldienst abgezockt

Von Philip Michael

  • Dortmunder Studentin sollte fast 700 Euro zahlen
  • Über Google beworbene Schlüsseldienste fallen auf
  • WDR-Reporter testet Schlüsseldienst mit versteckter Kamera

Fast 700 Euro sollte die Dortmunder Studentin Leonie Freynhofer einem Schlüsseldienst zahlen, den sie über die Google-Anzeigen gefunden hatte. Das war im Sommer 2018. Als sie sich weigert zu zahlen, fangen die beiden Schlüssel-Handwerker an sie zu beleidigen.

Die Handwerker weigern sich, die Wohnung zu verlassen. Erst als Leonie Freynhofer die Polizei ruft, verschwinden sie. Eine Rechnung ist auch ein Jahr später noch nicht angekommen.

Test mit versteckter Kamera

Ist das ein Einzelfall oder Betrugsmasche? In einer leerstehenden Wohnung machen wir eine Stichprobe mit versteckten Kameras. Wir bestellen einen Schlüsseldienst, den wir über die Google-Anzeigen gefunden haben.

Hausflur mit unkenntlich gemachten Schlüsseldienst-Mitarbeiter, WDR-Reporter und Studentin

Schlüsseldienst verlangte viel Geld

Am Telefon will der Mitarbeiter keinen Festpreis nennen, auch nicht nach mehrmaliger Nachfrage. Nach eineinhalb Stunden kommt der Handwerker an. Er scheint etwas misstrauisch, als er unseren Lockvogel Caro in Begleitung ihres 1,90 Meter großen Begleiters sieht.

Er schaut sich die Tür an und nennt einen Preis: satte 254 Euro. Das sind knapp 100 Euro mehr, als die Richtlinie des Metallverbandes empfiehlt.

Schlüssel-Handwerker macht Druck

Als Lockvogel Caro nach Öffnung der Tür erklärt, dass sie auf Rechnung bezahlen möchte, weil sie nicht genug Bargeld da hat, macht auch dieser Schlüsseldienst-Handwerker Druck. Er will unbedingt mit ihr zur Bank fahren. Er brauche das Geld jetzt sofort.

Als die Stimmung kippt, brechen wir ab und klären die Situation auf. Wir zahlen nur 100 Euro in bar an. Den Rest möchten wir per Rechnung bezahlen. Aber eine Rechnung mit dem Restbetrag ist bei uns auch nach zwei Monaten nicht angekommen - auch bei Leonie Freynhofer nicht.

Dortmunder Anwältin Beate Puplick gibt im Interview Tipps

Beate Puplick ist Fachanwältin für Arbeitsrecht in Dortmund. Im Interview mit der WDR Lokalzeit gibt sie Tipps, worauf man beim Schlüsseldienst achten sollte.

WDR: Was sollte man bei der Wahl des Schlüsseldienstes beachten?

Anwältin Beate Puplick sitzt in ihrem Büro am Schreibtisch und zeigt auf Aufnahmen auf dem Laptop.

Beate Puplick: Am besten gar nicht erst warten bis das Malheur passiert ist: Einfach schon vorher die Nummer eines seriösen, lokalen Schlüsseldienstes notieren – nur für alle Fälle. Wenn man den Schlüsseldienst telefonisch bestellt, sollte man auf die Nennung eines Fixpreises bestehen und zur Not mehrere Schlüsseldienste anrufen und vergleichen. Unseriöse Schlüsseldienst-Mitarbeiter entscheiden vor Ort meist nach Augenmaß, wem sie wie viel Geld abnehmen und wie weit sie gehen können. Betrug und Wucher sind da vorprogrammiert.

WDR: Wieviel darf ein Schlüsseldienst kosten?

Beate Puplick: Der Metallverband empfiehlt unter der Woche Preise bis 89 Euro und am Wochenende bis 177 Euro. Verlangt ein Schlüsseldienst das Doppelte der marktüblichen Preise, ist das Wucher. Wenn am Telefon kein Preis vereinbart wurde, darf der Handwerker vor Ort eigentlich nur den ortsüblichen Preis nehmen. Wenn der Schlüsseldienst-Handwerker vor Ort aber einen überteuerten Preis verlangt, lehnen Sie im Zweifel ab. Sie müssen in diesem Fall keine Leerfahrt bezahlen. Einige Schlüsseldienst-Handwerker berechnen bis zu 100 Euro, wenn sie unverrichteter Dinge wieder abziehen.

WDR: Was kann man tun, wenn man Opfer von Wucher wird?

Beate Puplick: Verlangt der Schlüsseldienst nach derTüröffnung auf einmal mehr Geld oder gibt es sonstige Streitigkeiten um die Rechnung, sollte man nicht vor Ort bezahlen. Man sollte, wenn überhaupt, höchstens den ortsüblichen Preis anzahlen und eine Rechnung verlangen. Machen Schlüssel-Handwerker Druck, oder nötigen sie Sie sogar, rufen Sie in jedem Fall die Polizei.

Das Interview führte Philip Michael.

Stand: 24.04.2019, 06:37