Mordfall Nicole Schalla: Medizinisches Gutachten liegt vor

Der Angeklagte mit seinem Verteidiger im Landgericht Dortmund

Mordfall Nicole Schalla: Medizinisches Gutachten liegt vor

Von Jürgen Kleinschnitger

  • Verteidigung: Alte Verletzung schließt Ralf H. als Täter aus
  • Gutachter: Angeklagter war körperlich fähig, Nicole Schalla zu erwürgen
  • Daumen waren wirklich operiert worden

Der Angeklagte im Mordfall Nicole-Denise Schalla ist körperlich in der Lage, einen Menschen zu erwürgen. Das hat am Montag (12.08.2019) ein medizinischer Gutachter vor dem Landgericht in Dortmund ausgesagt. Die Verteidigung hatte das angezweifelt und den Gutachter angefordert.

Ralf H. hatte bisher ausgesagt, er habe 1978 und 1980 so schwere Verletzungen erlitten, dass er an den Händen operiert werden musste. Zum Tatzeitpunkt im Oktober 1993 habe er daher beide Daumen kaum noch nutzen können. Laut Verteidigung kommt der Angeklagte Ralf H. daher nicht als Täter in Frage.

Gutachter: Angeklagter könnte Menschen erwürgen

Dass beide Daumen des Angeklagten in seiner Jugend operiert wurden, hat der Handchirurg aus Hagen bestätigt. Doch die Verletzungen seien gut verheilt, die Hände voll funktionsfähig. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit könne der Angeklagte trotz der Verletzungen daher einen Menschen erwürgen.

Ob er das auch 1993 konnte, als Nicole-Denise Schalla erwürgt wurde, bleibt unklar. Das sei schwerer zu beurteilen, so der Mediziner. Da er zwischen seinen Verletzungen und der Tat mehrere Jahre Zeitsoldat war, sei aber davon auszugehen, dass er beide Hände auch damals voll einsetzen konnte.

Krankenakten von damals gibt es nicht mehr

Die Krankenakten mitsamt Röntgen-Bildern des Angeklagten gibt es nicht mehr. Auch sonstige Atteste oder Belege über diese Verletzung liegen dem Gericht nicht vor. Und so hatte die Verteidigung von Ralf H. das medizinische Gutachten gefordert.

Ralf H. bestreitet, die Schülerin Nicole-Denise Schalla aus Dortmund im Oktober 1993 getötet zu haben. Zwei DNA-Spuren belasten ihn jedoch: Diese wurden seit Sommer 2018 mit moderner DNA-Analyse auf Folien entdeckt.

Stand: 12.08.2019, 16:21