"Ein Revier-Derby ohne Zuschauer ist kein Derby!"

Ein Schalke-Fan mit Schal

"Ein Revier-Derby ohne Zuschauer ist kein Derby!"

Von Olaf Biernat

  • Revier-Derby ohne Zuschauer
  • Fans wollen das Spiel in engem Kreis zu Hause schauen
  • Corona-Zeit macht Fans nachdenklich

Detlef Müller ist Schalke-Fan durch und durch. Der Busfahrer ist im Schalker Fanclub-Verband aktiv und leitet einen eigenen Fan-Bezirk. Wir haben mit ihm über das bevorstehende Revier-Derby am Samstag (16.05.2020) und den Bundesliga-Fußball in Zeiten von Corona gesprochen.

WDR: Muss man befürchten, dass Schalker Fans zum Stadion fahren?

Ich glaube nicht, dass viele Fans am Stadion sein werden. Man wird das vermeiden. Es wird immer einige Unbelehrbare geben, die dort hin fahren - aber meine persönliche Meinung ist, dass der Großteil sich genau an das hält, was jetzt ausgegeben wurde.

WDR: Wie werden die Fans das Derby stattdessen verfolgen?

Viele Schalke-Fans werden sich das Spiel selbstverständlich im Fernsehen anschauen. Unter normalen Umständen hätte nur eine begrenzte Zahl, etwa 10.000 Fans, die Möglichkeit, das Spiel im Stadion zu verfolgen. Da es das Spiel im frei empfangbaren Fernsehen gibt, werden viele dieses Spiel zu Hause schauen - vielleicht noch mit einem Freund dabei, um zu sehen, was die Mannschaft an Leistung abliefert.

WDR: Welche Brisanz hat das Derby in der Corona-Zeit?

Die Brisanz eines Derbys macht es aus, dass man schon zwei Wochen vorher an der Arbeitsstelle, in der Familie, im Bekanntenkreis anfängt mit Sticheleien. Man macht Witze über den Gegner und das steigert sich dann bis zum Spielbeginn. Das fällt jetzt flach bei diesem Derby. Deswegen ist die Anspannung nicht, wie sie bei einem normalen Derby ist. Und man darf nicht vergessen, dass die Zuschauer fehlen und ein Derby ohne Zuschauer ist kein Derby. Das ist einfach ein Spiel, wo es darum geht, die Finanzen zu regulieren.

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WDR: Ist es richtig, die Liga wieder anzupfeifen?

Aus Sicht der Vereine ist es mit Sicherheit richtig, die Bundesliga-Saison fortzuführen. Die Vereine sind Wirtschaftsunternehmen, die dafür sorgen müssen, dass die Firma, der Verein Schalke, weiterlebt. Aus Sicht der Fans ist es ein fatales Zeichen. Viele stellen sich jetzt schon gegen den immer wachsenden Kommerz. Und man sieht einfach in dieser Situation, dass es zum großen Teil nur noch um Geld geht und der Zuschauer an sich auf der Strecke bleibt, weil das nicht mehr gefragt ist. Wenn man jetzt nicht aus der Krise lernt und anfängt, entgegen zu steuern, wird der Fußball meiner Meinung nach kein gutes Ende nehmen.

Das Interview führte WDR-Reporter Olaf Biernat.

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