Wie Schalke 04 sein Image zerstört

 kaputter Schriftzug Schalke

Wie Schalke 04 sein Image zerstört

Von Jörn Kießler

  • Schalke-Fans kritisieren Verein
  • Corona-Krise und Skandale machen Club zu schaffen
  • Fanforscher: Verein muss in Image investieren

"Tausend Freunde, die zusammensteh'n. Dann wird der FC Schalke niemals untergeh'n", lauten die letzten beiden Zeilen des Vereinslieds des FC Schalke 04. Noch nie wirkten diese beiden Sätze so unpassend wie jetzt, um die Stimmung beim Fußball-Bundesligisten aus dem Ruhrpott zu beschreiben.

Denn die Fans des Traditionsvereins sind sauer auf ihren Club: Weil er keines der vergangenen 15 Pflichtspiele gewinnen konnte. Weil er durch Missmanagement so sehr in Schieflage geraten ist, dass ihn offenbar nur noch eine Bürgschaft des Landes NRW retten kann. Aber vor allem, weil sich die Fans verraten fühlen.

Ist Schalke noch ein Kumpel- und Malocherclub?

"Fakt ist, Schalke 04 tritt seine Identität gerade in die Tonne", schreibt der Schalker Fan-Club Verband auf seiner Website. Der SFCV, der nach eigener Aussage fast 1.000 Fan-Clubs mit mehr als 60.000 Fans vertritt, wirft dem Verein der Kumpel und Malocher vor, genau diese zu vergessen.

Auch der Schauspieler und Schalke-Fan Peter Lohmeyer, der bereits im August vergangenen Jahres nach rassistischen Äußerungen des Aufsichtsratschefs Clemens Tönnies aus dem Verein ausgetreten war, ist ähnlicher Meinung. "Schalke ist ein Traditionsverein, der immer mehr davon verliert, je weiter er sich von der Basis entfernt", so der Schauspieler im Interview mit WDR 2.

Image als Identifikation

Laut dem Sportwissenschaftler und Fanforscher Professor Harald Lange von der Universität Würzburg könnte der Verein dadurch sogar zerbrechen. "Ein Image, wie das von Schalke 04, ist extrem wertvoll", erklärt er. "Gerade das Bild des Arbeitervereins bietet den Fans viel Fläche für Identifikation."

Derzeit mache der Club aber sehr viel, um dieses Pfund bei den Fans zu verspielen. Die Corona-Fälle in der Fleischfabrik des Aufsichtsratsvorsitzenden und das finanzielle Missmanagement könnten die Fans laut Fanforscher Lange noch verzeihen. Viel schlimmer seien Fehltritte der Vereinsführung, bei denen es um wesentlich weniger Geld ging.

Vertrauensverlust hängt nicht an großen Beträgen

"Dass Rentnern, die auf Minijob-Basis Jugendspieler zum Training fuhren, gekündigt wurde, oder Dauerkartenbesitzer Härtefallanträge stellen sollten, um das Geld für ausgefallene Spiele zurück zu bekommen", sagt Lange.

Diese Fehler räumte auch Marketing-Vorstand Alexander Jobst in der Pressekonferenz am Mittwoch (01.07.2020) ein und entschuldigte sich. Gleichzeitig kündigte der Verein ein Sparprogramm an.

Fanforscher: "Schalke kann sein Image nicht ändern"

Das hält Lange für die falsche Lösung. "Eine Nebelkerze wie eine Gehaltsobergrenze für Spieler hilft nicht, das Vertrauen der Fans zurück zu bekommen", sagt der Fanforscher. Das Gleiche gelte für den Rücktritt von Tönnies, der ja nicht allein für alle Probleme des Vereins verantwortlich sei.

Stattdessen müsse der Club schnell und viel investieren: In Fannähe, Kultur, Bildung und ein Leitbild, das dem Image des Vereins entspricht und das dieser dann auch lebe. "Der Verein muss sein Image erfüllen", sagt Lange. "Denn ändern kann Schalke es nicht."

Stand: 01.07.2020, 16:41