Schalke-Fans erinnern an Deportation Gelsenkirchener Juden

Eine Arbeitsgruppe aus Fans, Mitarbeitern des Schalker Fanprojekts und des FC Schalke 04 präsentieren die Ergebnisse.

Schalke-Fans erinnern an Deportation Gelsenkirchener Juden

Von Lukas Zachos

Schalke-Fans haben sich mit dem Schicksal von Jüdinnen und Juden während der NS-Zeit in Gelsenkirchen befasst. Sie wollen auf das Leid der Opfer aufmerksam machen.

Eine der kältesten Winternächte des Jahres 1942 war es, in der Rolf Abrahamsson in einem Wagon eng eingepfercht mit circa 500 anderen Jüdinnen und Juden den Gelsenkirchener Güterbahnhof Richtung Riga verließ.

"Es war so eng, man konnte sich nicht mal hinlegen", erinnert sich der Zeitzeuge, der mehrere Konzentrationslager überlebt hat.

Geschichten in die Gegenwart holen

Interviewt hat ihn die Arbeitsgruppe "Erinnerungsort Wildenbruchplatz", die anhand solcher Schicksale auf das Leid der Jüdinnen und Juden zur NS-Zeit in Gelsenkirchen aufmerksam machen will.

"Wir möchten die Menschen, die dort nach Riga geführt wurden, wieder zurück in die Gegenwart und in die Stadtgesellschafft holen und ein Vergessen verhindern", sagt Benjamin Munkert vom Schalker Fanprojekt.

Gegen das Vergessen arbeiten

Eine Gedenkfahrt nach Ausschwitz, die vom Schalker Fanprojekt organisiert worden war, gab den Impuls, die Arbeitsgruppe zu gründen. Die Teilnehmer nahmen ihre Eindrücke zum Anlass, gegen das Vergessen zu kämpfen.

Natalie van den Meulenhof steht im Gemeindesaal der neuen Synagoge in Gelsenkirchen

Schalke-Fan Natalie van den Meulenhof hat mitrecherchiert.

Die Gruppe hat sich gemeinsam mit Historikern des Instituts für Gelsenkirchener Stadtgeschichte zusammengetan und über die Schicksale von Jüdinnen und Juden in Gelsenkirchen recherchiert. Die Teilnehmer wollen Gelsenkirchenern zeigen: "Hey, das ist hier vor deiner Haustüre passiert", meint Schalke-Fan Nathalie van den Meulenhof.

Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden jetzt in Zusammenarbeit mit der jüdischen Gemeinde in der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen präsentiert. Vorsitzende Judith Neuwald-Tasbach hat selber 24 Familienangehörige in Riga verloren.

Am Wildenbruchplatz, von wo aus die größte Deportation Gelsenkirchener Jüdinnen und Juden begann, ist am 27. Januar die Enthüllung einer Gedenktafel geplant - genau 80 Jahre, nachdem Rolf Abrahamsson und hunderte weitere Jüdinnen und Juden nach Riga deportiert wurden.

Stand: 09.11.2021, 18:22