Energiemulti RWE sieht Zukunft im Ökostrom

Qualmende Schornsteine von Braunkohlekraftwerk

Energiemulti RWE sieht Zukunft im Ökostrom

Von Jörg Marksteiner

  • RWE spricht von „neuer Ära“
  • Essener Energiemulti wird Ökostrom-Großanbieter
  • Ökostrom sorgt künftig für meisten Gewinn
  • 4.000 neue Mitarbeiter kommen zu RWE

An der Decke hängen noch aufgerollte Stromkabel, die grauen Betonwände sind nicht verputzt: An der neuen RWE-Firmenzentrale – auf dem historischen Gelände des ersten Firmenkraftwerks 1889 in Essen – wird noch gebaut. Auch sonst ist der Energiemulti im Moment eine Art Baustelle: Aus dem Kohleverstromer wird einer der größten Ökostrom-Produzenten weltweit.

"Heute beginnt die Ära der neuen RWE", sagte Firmenchef Rolf Martin Schmitz bei der Vorstellung der neuen Strategie am Montagmorgen (30.09.2019). "Wir werden klimaneutral bis 2040. Braunkohle und Kernenergie haben die Basis geschaffen. Aber jede Energie hat ihre Zeit, jetzt beginnt die Ära der Erneuerbaren."

Tauschgeschäft mit Eon

Bei RWE beginnt sie mit einem Tauschgeschäft: Genau am Montag übernimmt der Konzern im Zuge eines milliardenschweren Tauschgeschäfts alle Ökostrom-Anlagen, alle Windparks und Solarprojekte, vom Konkurrenten Eon. Im Gegenzug werden alle Endkundenverträge und Netze der Tochter Innogy an Eon abgegeben.

Vorteil für RWE: Nicht mehr das Auslaufmodell Kohle, sondern die erneuerbaren Energien liefern künftig den meisten Gewinn. "20 Prozent kommen aus dem konventionellen Bereich. Dreimal so viel, also 60 Prozent, von den Erneuerbaren", sagt Finanzvorstand Markus Krebber. Das dürfte auch die Kämmerer der rund 120 an RWE beteiligten Städte und Kreise freuen. Für viele war die Gewinnausschüttung des Konzern jahrelang eine wichtige Einnahmequelle.

Kritik an den Plänen kommt von Greenpeace: Die Umweltschützer kritisieren, dass RWE bei den Erneuerbaren vor allem im Ausland investiert. Das stimmt: Von den 9 Gigawatt Ökostromanlagen entfallen nur 1,5 Gigawatt auf Deutschland. Auch der Großteil der geplanten Investitionen von jährlich 1,5 Milliarden Euro dürfte daher ins Ausland fließen.

RWE bleibt großer CO2-Verursacher

Aber auch als großer Ökostrom-Anbieter bleibt RWE vorerst einer der größten CO2-Verursacher. Denn die großen, CO2-intensiven Braunkohle-Kraftwerke laufen vorerst weiter. Wann genau sie abgeschaltet werden, ist noch unklar. Alle 14 Tage gebe es Treffen mit dem Wirtschaftsministerium – noch ohne Ergebnis. RWE will Entschädigung für das bis 2022 politisch vorgesehen Abschalten mehrerer Meiler.

Anders als bei Eon beginnt der Strategiewechsel bei RWE ohne Stellenabbau. Im Gegenteil: Rund 4.000 Mitarbeiter kommen neu zu RWE. Rund 600 von ihnen ziehen dann, spätestens im kommenden Sommer, in die neue Firmenzentrale. Insgesamt 3.500 Mitarbeiter sollen dort die neue RWE steuern.

Megaübernahme auf dem Strommarkt - Eon frisst Innogy

WDR 5 Profit - aktuell 17.09.2019 08:46 Min. Verfügbar bis 16.09.2020 WDR 5

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Stand: 30.09.2019, 14:35