Tumulte bei Ruhrtriennale über Anti-Israel-Kampagne

Tumulte bei Ruhrtriennale über Anti-Israel-Kampagne

Von Andrea Groß

  • Turbulenter Diskussionsverlauf
  • Ruhrtriennale-Intendantin in der Kritik
  • Viel Übereinstimmung auf dem Podium
Großer Andrang bei der Podiumsdiskussion Ruhrtriennale

Großer Andrang bei Podiumsdiskussion

Das Kulturfestival Ruhrtriennale hat am Samstag (18.08.2018) in Bochum bei einer Podiumsdiskussion über den Umgang mit Boykott-Aufrufen im Kulturbereich debattiert.

Anlass ist die umstrittene Ein- und anschließende Ausladung der Pop-Band "Young Fathers" zur Triennale. Sie unterstützt die israelkritische Kampagne BDS. Diese wirbt für einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik.

Tumulte während Ansprache eines BDS-Befürworters

Während es auf dem Podium betont sachlich zuging, gab es aus dem Publikum immer wieder Zwischenrufe. Ein jüdischer Israeli, der die BDS-Kampagne verteidigte, wurde regelrecht niedergebrüllt.

Portait Stefanie Carp

Intendantin Stefanie Carp

Stefanie Carp verteidigte ihr Vorgehen: Es sei im sicheren Deutschland nicht immer einfach zu beurteilen, wer in welchen entfernten Konfliktregionen Recht habe. Die Diskussion darüber müsse die Kunst bei aller Zerrissenheit und Schmerzhaftigkeit aushalten.

Applaus für Carp und Pfeiffer-Poensgen

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen

NRW-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen

Für diesen Satz bekam die Intendantin lang anhaltenden Applaus. Den bekam auch NRW-Kulturministerin Isabelle Pfeiffer-Poensgen (parteilos) für ihr Plädoyer für die Kunstfreiheit. Gerade was politische Themen betreffe, gehe die Ruhrtriennale an die Schmerzgrenze. Trotzdem gebe es auch Grenzen der Kunstfreiheit, die in Deutschland klar gezogen seien.

Mehrere Podiumsteilnehmer - unter ihnen Michael Vesper, früher Vorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes und heute Vorsitzender des Fördervereins der Ruhrtriennale - warfen der Intendantin vor, sich nicht ausreichend über die Young Fathers informiert zu haben.

Carp räumt Fehler ein

Ein Israel-freundlicher Demonstrant protestiert mit einer Israelischen Flagge im Rahmen der Ruhrtriennale vor einer Podiumsdiskussion.

Proteste am Rande der Podiumsveranstaltung

Carp teilte diese Ansicht und auch die Kritik an dem Hin und Her der Einladung. Sie hätte, sagte sie, bei der Einladung bleiben und diese verteidigen sollen. Am Rande der Veranstaltung gab es sowohl eine Protestkundgebung als auch eine Solidaritätskundgebung für die in die Kritik geratene Intendantin.

BDS-Kampagne verteidigt

Carp war wegen ihrer Verteidigung der BDS-Kampagne stark kritisiert worden. Nach einer Debatte im Kulturausschuss des Landtags sah sie sich gezwungen, in einem Brief an die Ausschussmitglieder zu betonen, dass sie in keiner Weise das Existenzrecht Israels in Frage stelle. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte trotzdem seine Teilnahme an dem Festival abgesagt.

Ruhrtriennale: Ministerin hofft auf differenzierte Debatte

WDR 5 Westblick - Interview | 17.08.2018 | 09:31 Min.

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Stand: 18.08.2018, 20:14