Große Schäden nach Jahrhunderthochwasser im Ruhrgebiet

Wohnwagen in Essen säuft ab

Große Schäden nach Jahrhunderthochwasser im Ruhrgebiet

Das Hochwasser hat im Ruhrgebiet dramatische Schäden angerichtet - auch an vielen Häusern in Hattingen. Nach gut einer Woche können 50 Anwohner ihr Wohnviertel zumindest wieder betreten.

Es gibt erst mal Entwarnung: die Häuser in einem Wohnviertel direkt an der Ruhr sind nach dem Hochwasser nicht einsturzgefährdet. Das haben Statiker jetzt ermittelt. Etwa 50 Anwohner mussten die Häuser vor einer Woche verlassen, weil in einigen Kellern Risse oder hochgedrückte Böden entdeckt wurden.

Die Schäden in den Häusern sind trotzdem immens. Auch funktioniert der Strom noch nicht überall. Die meisten Anwohner werden daher noch eine längere Zeit wo anders übernachten müssen. Dennoch sind sie froh, ihre Häuser zumindest wieder betreten und mit den Aufräumarbeiten beginnen zu können. Die Stadt Hattingen will die Betroffenen mit einem neu gegründeten Team unterstützen.

Infrastruktur teilweise zerstört

Eine überschwemmte Gleisanlage zwischen S-Bahnhof Velbert-Nierenhof und S-Bahnhof Essen Kupferdreh.

Überschwemmte Gleise zwischen Velbert-Nierenhof und Essen Kupferdreh.

Auch auf den Bahnstrecken sind große Schäden sichtbar. Besonders getroffen hat es zum Beispiel die Strecken von Essen nach Wuppertal und von Bochum nach Hattingen. Teilweise wurden hier über Kilometer die Gleise geflutet. Möglicherweise haben sich Hohlräume unter den Schienen gebildet, sagte ein Bahnsprecher. All das müsse man jetzt untersuchen.

Darum bleiben die Strecken wahrscheinlich über Wochen gesperrt. Das gilt auch für ein Teilstück der S9. Nach dem Hochwasser ist die Strecke zwischen Essen-Steele und Langenberg nicht mehr befahrbar. Die Reperaturen können Monate dauern, so die Bahn. Das Hochwasser hat auch hier unter anderem Schotter unter Gleisen weggespült und Technikanlagen zerstört.

Wasser wurde gereinigt

Durch die Überflutungen war das Leitungswasser in Mülheim, Oberhausen und Bottrop tagelang verunreinigt. Das Trinkwasser hat sich mit Wasser aus der Ruhr vermischt. Die Trübung des Wassers war über 100 Mal höher als normal. Die RWW desinfizierte das Wasser deswegen in extrem hoher Konzentration mit Ozon, UV-Licht und Chlor. Das veränderte den Geruch und Geschmack des Wassers erheblich.

Abkochgebot aufgehoben

Es wurde dringend dazu geraten, das Wasser abzukochen. Fünf Tage nach der Hochwasser-Katastrophe wurde die Warnung aufgehoben. Die Trinkwasser-Qualität sei nun wieder hergestellt, meldet die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft. Trotzdem habe das Gesundheitsamt beschlossen, es vorsichtshalber erst mal weiter zu chloren.

Es kann zudem sein, dass es auch weiterhin zu Druckschwankungen kommt. Und: Möglicherweise ist Wasser aus der Leitung nach dem Aufdrehen erst einmal braun. In dem Fall soll man das Wasser einen Moment laufen lassen, bis es klar ist.

Lage mittlerweile ruhig

Die Gesamtsituation in den Ruhrgebietsstädten hat sich mittlerweile entspannt. Manche Feuerwehren warnen allerdings immer noch vor Hochwasser. An Flüssen bestehe Lebensgefahr.

Die Ruhr breitet sich in der Mülheimer Innenstadt aus

Die Ruhr breitet sich in der Mülheimer Innenstadt aus

In Mülheim an der Ruhr heißt es mittlerweile Aufatmen und Aufräumen. Am Donnerstagmittag war die Ruhr an mehreren Stellen übergetreten und hatte die Innenstadt überschwemmt. Ein Seniorenheim, das direkt an dem Fluss liegt, musste evakuiert werden.

Versunkenes Schiff gesichtet

Historisches versunkenes Fahrgastschiff "Moornixe" wohl in der Ruhr bei Mülheim entdeckt (Drohnen-Luftaufnahme)

Für viel Betroffenheit hat auch das Unglück des im Hochwasser untergegangenen historischen Ausflugsschiffs "Moornixe" gesorgt. Am Montag meldete die Mülheimer Feuerwehr, das Schiff mit einer Drohne entdeckt zu haben - 150 Meter unterhalb des Wehrs. Die "Moornixe" steckt im Schlamm nahe des Ufers fest. Ob sie geborgen wird, steht noch nicht fest.

Das versunkene Schiff sorgt derzeit für einen regelrechten Katastrophentourismus. Scharen von Menschen kommen offenbar zur Ruhr, um sich die "Moornixe" und andere Schäden anzusehen. Der Stadt Mülheim zufolge werden sogar Absperrungen trotz der Warnung vor Lebensgefahr durchbrochen. Die Stadt hat jetzt unter anderem hohe Bauzäune errichtet, um die Menschen fernzuhalten.

Zahlreiche Hilfsangebote für die Kommunen

Viele Kommunen melden, dass sie zahlreiche Hilfsangebote bekommen hätten. Auch Hotels bieten teilweise kostenlose Übernachtungen für Flutopfer an und Privatpersonen leerstehende Wohnungen. In Hattingen musste die Annahme von Spenden sogar gestoppt werden, da es zu viele wurden.

Haushalte in Witten ohne Strom

In Witten hatten einige Haushalte nach dem Hochwasser keinen Strom. Den mussten die Stadtwerke abstellen. Am Samstag konnte jedoch Entwarnung gegeben werden und die Bewohner konnten zurück in ihre Häuser.

Ruhrdeich mittlerweile stabil

In Oberhausen hat die Feuerwehr in der Nacht zu Freitag 115 Tonnen Sand an die undichten Stellen des Ruhrdeichs gebracht. Der war teilweise aufgeweicht, hält jetzt aber und ist stabil.

Bochum-Dahlhausen besonders betroffen

Am Donnerstag war besonders die Situation in Dahlhausen angespannt. Einige Anwohner der Ruhrauen mussten aus den Häusern geholt werden. Die Pontonbrücke zwischen Bochum und Hattingen wurde durch das Unwetter stark beschädigt. Sie bleibt zunächst sowohl für Autos, Fußgänger und Radfahrer vollständig gesperrt. Auch die Autobahn 448 war zeitweise gesperrt.

Höchster Pegelstand der Ruhr seit 80 Jahren

1410 Kubikmeter Wasser strömten am Donnerstagmittag pro Sekunde durch die Ruhr in Hattingen. An einem normalen Tag sind es nur zehn. Die Feuerwehr musste mit Schlauchbooten die Bewohner von Seniorenwohnungen retten. Dort ist auch ein Campingplatz komplett abgesoffen. Weitere Wohnhäuser wurden geräumt, Straßen waren überflutet.

In Gefahr war außerdem am Donnerstag ein Wirt in seinem Ausflugslokal in Essen. Das wurde vom Wasser eingeschlossen. Der Mann und seine Frau mussten per Hubschrauber vom Dach gerettet werden. Am Wochenende konnte der Wirt, nachdem das Wasser deutlich zurückgegangen war, damit beginnen, sein sehr in Mitleidenschaft genommenes Lokal aufzuräumen.

Schiffsunglück, Überschwemmungen, Hubschrauberrettung - Lageüberblick

00:27 Min. Verfügbar bis 15.07.2022


Autos schwammen wie Spielzeuge davon

In Essen rettete die Feuerwehr einen Hund vor dem Ertrinken. Ein Sattelzug brach komplett in eine Straße ein. Autos schwammen wie Spielzeuge davon. Auch hier wurden Anwohner mit Schlauchbooten aus ihren Wohnungen gerettet - allein im Stadtteil Werden waren es rund 40 Menschen. Das Wasser stand dort Donnerstagabend zwei Meter hoch.

Erdrutsche im Muttental

In Witten wurde das Muttental durch Erdrutsche verwüstet. Das Museum und die Muttentalbahn sind zerstört. Die ehrenamtlichen Betreiber sind entsetzt über das Ausmaß der Zerstörung.

Das Hochwasser hatte zeitweise auch das Wasserwerk in Witten lahm gelegt. Rund 7.000 Anwohner waren von der Wasserversorgung abgeschnitten.

Stand: 22.07.2021, 16:54