Prüfungen an Ruhrgebiets-Unis: "Habe keine Ahnung, wie das ablaufen wird"

Der Student Erik Stoppenbrink, organisiert sein Studium vom Wohnzimmer der Eltern aus und blickt auf die Webseite der Uni in Köln.

Prüfungen an Ruhrgebiets-Unis: "Habe keine Ahnung, wie das ablaufen wird"

Von Sebastian Tischkov

Videokonferenzen statt Präsenzveranstaltungen sind an den Unis inzwischen längst Alltag. Jetzt fordern Studierende der Uni Duisburg-Essen in einer Petition sogar Online-Klausuren für alle.

Mehr als 2200 Menschen haben die Petition bis Mittwochmorgen (20.01.) unterschrieben. Damit wehren sich Studierende in Essen und Duisburg dagegen, dass Prüfungen und Klausuren in Präsenz schreiben sollen. Im Mittelpunkt steht dabei für sie das Infektionsrisiko: Es sei wegen der aktuellen Pandemielage viel zu hoch, argumentieren die anonymen Petitionsersteller. Sie fordern daher eine Möglichkeit, alle Klausuren online ablegen zu können, damit alle ihr Studium in Regelstudienzeit abschließen können.

Die Universität Duisburg-Essen sagte dem WDR, möglichst viele Prüfungen sollen online durchgeführt werden. Das gelte bei den Geisteswissenschaften zum Beispiel für alle Tests und Klausuren. Generell habe man Verständnis für die Sorgen der Studierenden, allerdings könnten Prüfungen zum Beispiel im Fach Chemie nicht einfach nach Hause verlagert werden.

Köln und Dortmund: Uni-Klausuren in Messehallen

WDR 5 02.06.2020 01:01 Min. Verfügbar bis 02.06.2021 WDR 5


Studierende: "Fragen und Sorgen groß"

Verle Seelig sitzt in ihrem Zimmer.

Studentin Veerle Seelig

Grundsätzlich ist die Situation für viele Studierende während der Corona-Krise nicht leicht: Veerle Seelig studiert an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen Journalismus und Public Relations und kennt den gewöhnlichen Uni-Alltag gar nicht. Sie ist im ersten Semester und das besteht ausschließlich aus Online-Seminaren. Die Prüfungssituation während Corona kennt sie aus ihren Abiturprüfungen. Trotzdem: "Natürlich sind die Fragen und Sorgen groß. Wir haben auch einige Kommilitonen, die in der Risikogruppe sind, die Asthma, eine Herzerkrankung oder Diabetes haben", sagt die 19-Jährige.

Aktuell plant das Institut für Journalismus und Public Relations Präsenzprüfungen ab Mitte Februar. Sie vertraut darauf, dass die Hochschule eine gute Lösung findet, etwa Leistungsnachweise und Praktika während des Studiums noch weiter zu verschieben. "Mich würde es nicht stören, eine Klausur mehr oder weniger in der Hochschule zu schreiben", sagt sie.

"Ich habe keine Ahnung, wie das ablaufen wird"

Anna studiert an der Uni Duisburg-Essen. Sie sieht die kommende Prüfungsphase etwas kritischer: "In weniger als einem Monat ist meine erste Klausur, und ich habe keine Ahnung, wie das ablaufen wird". Für die Politikwissenschafts-Studentin stehen in der nächsten Zeit mehrere Klausuren an. Sie weiß aktuell nur, dass die Prüfungen im Februar und März geplant sind. "Es ist super schwierig, sich darauf einzustellen". Die 20-Jährige fürchtet, dass die Online-Klausuren auch schwieriger werden, damit Spicken schwerer wird.

Für weitere Verunsicherung sorgt der Aufbau einer großen Halle auf dem Duisburger Campus, in der sich bis zu 300 Studierende aufhalten können. "Ich schränke mich privat stark ein, habe wenig Kontakt zu Leuten, bin vorsichtig, was das angeht. Wofür mache ich das dann, wenn ich mich vier, fünf Mal am Ende des Semesters mit ganz vielen Leuten in so ein Zelt setze?", sagt Anna. Sie habe aber auch Verständnis für alle, für die es weiter gehen muss: Studierende kurz vor dem Ziel oder Bafög-Bezieherinnen.

Annas Wunsch so kurz vor den Klausuren: Mehr Transparenz: "Ich glaube, jeder hat Verständnis dafür, dass die, die in einer Entscheidungsposition sind sagen: 'Wir haben keine Ahnung, was in zwei Wochen ist', das nimmt einem keiner übel."

Stand: 20.01.2021, 09:44