Ruhrbahn-Stammkunden verärgert über Rabatt-Aktion

Straßenbahn der Ruhrbahn in Essen

Ruhrbahn-Stammkunden verärgert über Rabatt-Aktion

  • Ruhrbahn will Autofahrer für ÖPNV gewinnen
  • Angebote gelten in Essen nur für Neukunden
  • Stammkunden fühlen sich benachteiligt
  • Vorverkauf beginnt am Montag (17.12.2018)
Kommentare (6)

Mit besonders günstigen Tickets will die Essener Ruhrbahn Autofahrer dazu bewegen, Bus und Bahn zu fahren. Diese vom Bund geförderte Sofortmaßnahme soll helfen, Diesel-Fahrverbote zu verhindern. Der Plan des ÖPNV-Unternehmens stößt bei den Kunden aber auf Kritik. Denn die Angebote gelten nicht für Stammkunden. Am Montag (17.12.2018) beginnt der Vorverkauf der Fahrkarten.

Bis zu 50 Prozent können Neukunden beim Kauf von Abonnements und 30-Tage-Tickets sparen, die ab dem neuen Jahr allerdings nur innerhalb des Essener Stadtgebiets gültig sind.

Essen: Günstigere ÖPNV-Tickets gegen Fahrverbote

WDR 5 Morgenecho - Interview | 17.12.2018 | 03:48 Min.

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Kritik in sozialen Medien

Seitdem wird das Verkehrsunternehmen vor allem in den sozialen Netzwerken für die Rabatt-Aktion kritisiert. Stammkunden empören sich, da sie die Billigtickets nicht kaufen dürfen. "Schade, dass nur Neukunden belohnt werden", schreibt eine Userin auf Facebook. "Ich bezahle in unserer Familie über 150 Euro für Tickets und bin schon am überlegen, mir für das Geld ein Auto anzuschaffen."

Die Ruhrbahn bedauert das, erklärt aber gleichzeitig, dass man gezielt Autofahrer - also Neukunden - mit der Aktion locken wolle. "Denn das Geld darf nur in Maßnahmen fließen, die unmittelbar auf die Senkung der NOx-Werte zielen", schreibt das Verkehrsunternehmen.

Kunden drohen mit Kündigung

Manchen Kunden reicht diese Erklärung jedoch nicht. "Sorry liebe Ruhrbahn GmbH, ab der nächsten Preiserhöhung im Januar bin ich als Abokunde raus", schreibt ein User.

Dass nun aber zahlreiche Kunden ihr Abo kündigen, davon geht Iko Tönjes nicht aus. Er ist Sprecher des NRW-Landesverbandes des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), der sich für "eine umwelt- und sozialverträgliche, sichere und gesunde Mobilität" einsetzt. "Der ausschlaggebende Grund, mit Bus und Bahn zu fahren, ist in den meisten Fällen nicht der Preis", sagt der ÖPNV-Experte. "Wichtiger sind die Qualität und das Angebot."

Ruhrbahn will Angebot verbessern

Dennoch versteht er den Unmut der Ruhrbahn-Kunden. "Die Preise für den öffentlichen Personen-Nahverkehr sind schon seit Jahren an der Schmerzgrenze", sagt Tönjes. Diese nur für Neukunden zu senken, sei das falsche Zeichen. Stattdessen sollte lieber das Angebot ausgeweitet werden.

Das will die Ruhrbahn auch tun. Mit dem Geld, das Essen als eine von fünf Modellstädten vom Bund bekommt, um die Luftqualität zu verbessern, sei "für Mitte 2019 auch eine Taktverdichtungen zur Hauptverkehrszeit auf Bus- und Straßenbahnlinien geplant", schreibt das Unternehmen auf Facebook.

365-Euro-Ticket in Bonn

Zu den fünf Modellstädten gehört auch Bonn. Hier gibt es ab 1. Januar 2019 ein 365-Euro-Ticket. Rein rechnerisch kann man damit also jeden Tag in Bonn für einen Euro Bus und Bahn fahren. Normalerweise kosten diese Tickets knapp 990 Euro.

Stand: 17.12.2018, 08:44

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Peter123 18.12.2018, 11:14 Uhr

    Ist das Prozedere der Ruhrbahn eigentlich rechtlich zulässig. Wir haben ein Anti-Diskriminierungsgesetz, wonach niemand benachteiligt werden darf. Ich verstehe nicht, dass es nun Kunden erster und zweiter Klasse gibt. Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich mein ABO kündigen.

  • 5 Hein 18.12.2018, 10:05 Uhr

    Ich als langjähriger Abokunde steige dann auf unseren Diesel5 um!

  • 4 Hans Jörgens, Vorstand im Kreisverband Essen des VCD 18.12.2018, 10:05 Uhr

    Von der Taktverdichtung in Essen ist auch die Bus-Linie 169 betroffen, die jedoch Neubaugebiete im Süden der Stadt nicht erreicht. Hier wäre eine Streckenverlängerung von etwa 2km hilfreich. Die neu hinzugezogenen Mitbürger beklagen, dass auf den von ihnen erreichbaren Buslinien der 20-Minutentakt bleibt. Auch ist die Qualität der Bundesstraße 224, über die die Linie 169 fährt, in einem teilweise verkehrsgefährdend schlechten Zustand.

  • 3 Johann Blaumann 18.12.2018, 00:12 Uhr

    Unglaublich. Alles nur Propaganda. 1.000 Tickets - eine überwältigende Volksverarschung. Wie wäre es mit einem "echten" Versuch: nämlich halber Preis für alle Abos.

  • 2 peodalo 17.12.2018, 13:07 Uhr

    Es ist unglaublich, was wir Stammkunden alles hinnehmen müssen. Wir bekommen keine Erstattung, wenn wir einfach stehengelassen werden, müssen jedes Jahr mehr Geld bezahlen und Neukunden bekommen ein ganzes Jahr geschenkt! Geht's eigentlich noch?

  • 1 Chris26 17.12.2018, 11:09 Uhr

    Ich habe neulich (in Australien lebend) Deutschland besucht und bin von der Komplexität der Tickets überwältigt! Meine Meinung ist, dass man mal das ganze Tarifsystem entrümpeln und überarbeiten sollte. Hier 'down under' gibt es eine Chipkarte - Geld draufladen, bei Einsteigen an den Leser halten, beim Aussteigen nochmal an den Leser halten - fertig. Am Ende des Tages werden die Fahrten und Tarifzonen gezählt und der günstigste Tarif (Einzelfahrt/Tages-/Wochen-/Monats-/Jahres... etc. -Ticket) abgebucht. Das Kärtchen gibt es voll und ermäßigt, und das wars! Und - EINE Karte für jeden Bundesstaat, die idR größer sind als Deutschland (keine Verkehrsverbund-Kleinstaaterei). In Deutschland freie Wahl zwischen Schöne-Fahrt/-Reise/-Tag/-Wochenend/-etc. und immer muss man im Voraus wissen, wieviele Fahrten man macht, sonst zahlt man drauf. MMn ein Relikt aus den 70ern. Übrigens - 200 km einfache Fahrt kosten $8 (€5) - in einem Land in dem das Leben allgemein teurer ist als in Deutschland.

    Antworten (1)
    • Chris26 17.12.2018, 11:12 Uhr

      Ich bin der Meinung dass man durch moderne Tickets und einfach zu verstehende Tarife (die für alle in Deutschland gelten, abgesehen von Ermäßigungen = Chipkarte für halben Preis) die Attraktivität mehr steigern kann als durch solche auf privilegierte Personengruppen und Regionen von ein paar km Durchmesser beschränkte Rabattaktionen.