An zwei Schaufenster-Scheiben steht der Spruch "Ungimpfte unerwünscht"

"Ungeimpfte unerwünscht": Gelsenkirchener bereut Aktion

Stand: 30.11.2021, 20:04 Uhr

Nachdem ein Ladenbesitzer aus Gelsenkirchen auf seine Schaufenster "Ungeimpfte unerwünscht" schrieb, bekam er heftige Kritik. Er bereut seine Aktion mittlerweile.

Dass durch den Fensterscheiben-Spruch so viel Hass auf ihn einprasseln würde, hätte Wilhelm Schleweis nicht gedacht. Fotos davon lösten in sozialen Netzwerken einen heftigen Shitstorm aus. Es hagelte wütende Kommentare, Beschimpfungen und Drohungen.

Aus "Ungeimpfte unerwünscht" wurde "Ich schäme mich"

Sogar Schleweis Scheibe wurde eingeschlagen. Die Polizei ermittelt in Gelsenkirchen unter anderem wegen Sachbeschädigung. Die Scheibe hat Wilhelm Schleweis mittlerweile notdürftig geflickt. Auf die andere Scheibe hat er geschrieben: "Ich schäme mich".

Schleweis wollte mit dem Spruch eigentlich zum Denken und Diskutieren anregen - mit Impfgegnern ins Gespräch kommen. Jetzt nannte er im Interview mit dem WDR seine Aktion unüberlegt und einen "riesigen Fehler". Der Staatsschutz ermittelt nach einer Anzeige gegen Wilhelm Schleweis wegen Volksverhetzung.

Kritik unter anderem wegen Nazi-Parallelen

Der Spruch "Ungeimpfte unerwünscht" weckte bei einigen Menschen Erinnerungen an die Nazizeit. Solch eine Verbindung habe Schleweis mit seiner Aktion nie herstellen wollen, sagte er.

Während die Infektionszahlen steigen, erhitzen sich die Gemüter: Für den Psychologen Jürgen Margraf von der Ruhr-Universität Bochum ist die Aufregung über den Gelsenkirchener Fall nicht ungewöhnlich. Von Corona seien alle betroffen, und überall werde diskutiert. Der Konflikt zwischen Geimpften und Ungeimpften erhärte sich, und die Toleranz nehme ab.