Gastronomen zwischen Freude und Unsicherheit

Das Bild zeigt gestapelte und mit einem rot-weissem Flatterband gefesselte Tische und Stühle vor einem Restaurant.

Gastronomen zwischen Freude und Unsicherheit

Von Jana Brauer

  • Montag eröffnen erste Restaurants und Cafés
  • Teilweise wird kurzfristige Ankündigung kritisiert
  • Einige starten erst im Laufe der Woche

"Ich freue mich auf meine Gäste. Wenn die reinkommen, geht mir das Herz auf", sagt Stavros Liakeas. Er ist der Inhaber des Restaurants "Yamas" in Bochum. Am Montag (11.05.2020) um 12 Uhr wird das griechische Restaurant seine Türen wieder für Gäste öffnen.

Am Wochenende alles vorbereitet

Während der Schließung aufgrund der Corona-Pandemie hatte Liakeas einen Außerhausverkauf angeboten. Als dann vor wenigen Tagen die Nachricht kam, dass er wieder richtig öffnen darf, war für ihn klar: Es soll direkt am Montag losgehen.

Wie viele andere Gastronomen auch, bereitete Stavros Liakeas zusammen mit seinem Team am Wochenende alles vor. Es wurden unter anderem Tische umgestellt, Abstandsmarkierungen angebracht, Gästelisten ausgedruckt oder auch Speisekarten digitalisiert. Damit diese nicht ständig desinfiziert werden müssen, sollen sie in manchen Lokalen aufs Smartphone geschickt werden.

Lange Vorgabenliste vom Land

Neben der Freude über die Wiedereröffnung empfindet Liakeas auch Unsicherheit: "Wir wissen nicht, wie es angenommen wird. Wir haben wesentlich weniger Sitzplätze als früher." Laut der NRW-Landesverordnung muss zwischen den Tischen ein Abstand von 1,5 Meter eingehalten werden.

In den Vorgaben steht auch, dass Gäste sich nach Betreten des Ladens die Hände waschen oder desinfizieren müssen, sie sollen ihre Daten hinterlassen und einem Platz zugewiesen werden. Außerdem wird empfohlen, zu reservieren, um Warteschlangen zu vermeiden. 17 Punkte umfasst die Verordnung zu den "Hygiene- und Infektionsschutzstandards".

Diese Vorgaben liegen den Gastronomen seit Freitagnachmittag (08.05.2020) vor. Das sorgte für Kritik. Auf Nachfrage des WDR berichteten Gastronomen aus beispielsweise Essen, Bochum Gelsenkirchen oder auch Oberhausen, dass sie gern früher Bescheid gewusst hätten.

Für manche zu kurzfristig

Weil einigen die Ankündigungen und Vorgaben zu kurzfristig waren, gibt es auch viele Gastronomen, die erst im Laufe der Woche eröffnen werden. So zum Beispiel der Großteil der Restaurants in der Bochumer Innenstadt. Sie wollen am Mittwoch wieder loslegen.

"Nach acht Wochen kommt es auf ein oder zwei Tage auch nicht mehr an", so Christian Bickelbacher. Der Gastronom betreibt mehrere Lokale im Ruhrgebiet. Der Schaden sei eh groß, jetzt wolle man lieber auf Nummer sicher gehen. "Es ist ein Mix aus unfassbarer Vorfreude und: wie soll das alles gehen."

Angst vor erneuten Schließungen

Einige müssen ihren Betrieb erstmal komplett wieder hochfahren. Mit Lieferanten sprechen, Bestellungen aufgeben und vor allem Mitarbeiter und Aushilfen zurückholen. In einem sind sich viele Gastronomen einig: Sollten die Lockerungen scheitern und es wieder Schließungen geben, könnte das das Ende bedeuten.

"Einmal haben wir das jetzt überlebt. Ich weiß nicht, wie es beim nächsten Mal aussehen würde", sagt auch Stavros Liakeas aus Bochum. Er hofft, dass alles gut geht. Jetzt freut er sich erstmal darauf, am Montag seit langem mal wieder seine Gäste zum Tisch zu bringen - wenn auch mit Abstand und Maske.

Trinkgeldzahlen in Coronazeiten

WDR 5 Westblick - aktuell 21.04.2020 04:45 Min. Verfügbar bis 21.04.2021 WDR 5 Von Ines Grunow

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Stand: 11.05.2020, 05:00

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