Kunstdiebstahl: 20 Monate Haft für Rentner aus Witten

Kunstdiebstahl: 20 Monate Haft für Rentner aus Witten

Von Jürgen Kleinschnitger

  • Historische Weltkarte im Wert von 30.000 Euro gestohlen
  • Rentner muss für 20 Monate ins Gefängnis
  • Leitung der Universitätsbibliothek fordert Rückgabe

Ein 65-jähriger Wittener muss für 20 Monate ins Gefängnis - ohne Bewährung. Das Wittener Amtsgericht sah es am Mittwoch (24.04.2019) als erwiesen an, dass der mehrfach vorbestrafte Rentner im Juli 2017 eine historische Weltkarte des Astronomen Johannes Kepler im Wert von etwa 30.000 Euro aus der Bibliothek der Uni Innsbruck in Tirol gestohlen hat. Die Verteidigung hat Berufung angekündigt. 

Wittener hat sich als Historiker ausgegeben

Beweise gab es keine - lediglich Indizien. Etwa die Zeugenaussagen der Bibliotheksmitarbeiterin. Ihr gegenüber hatte sich der Wittener als emeritierter Historiker vorgestellt, der für eine wissenschaftliche Arbeit über Segelreisen nach Amerika recherchiere. Das Buch „Rudolfinische Tafeln“ von Johannes Kepler aus dem Jahre 1627 wurde ihm daraufhin aus einem Tresor geholt.

Der Rentner war der Letzte, der das Buch ausgeliehen und im Lesesaal der Universitätsbibliothek gelesen hatte. Dort soll es eine Leseaufsicht gegeben haben, aber keine Videoüberwachung. Nach der Rückgabe soll die Bibliothek dann festgestellt haben, dass die Karte im Anhang des Buches fehlte.

Angeklagter schon öfter unter Verdacht

Die Polizei konnte die Karte bei einer Hausdurchsuchung nicht bei dem Rentner finden. Es gab lediglich Hinweise darauf, dass er sich mit dem Thema beschäftigt hatte. Der Rentner war bereits in der Vergangenheit wegen Kunstdiebstählen in anderen Ländern in Verdacht geraten, aber nie verurteilt worden. Mehrere Bibliotheken warnen vor ihm und nennen ihn "Büchermarder".

Stand: 24.04.2019, 07:41