Dortmund: Neonazi hilft bei Protesten gegen die Corona-Politik

Stand: 29.01.2022, 16:46 Uhr

Seit vier Wochen demonstrieren mittwochs Gegner der Corona-Politik in Dortmund-Huckarde. Der Anmelder hat offenbar Verbindungen zu einem bundesweit bekannten Neonazi, der ihn bei den Demonstrationen unterstützt.

Von Christof Voigt, David Peters

Der Anmelder der Demonstrationen ist Jens L.. 30 bis 50 Menschen kommen regelmäßig zu seinen Veranstaltungen. Sie wollen damit gegen die Corona-Politik und eine drohende Impfpflicht demonstrieren.

Teilnehmer zählt zu rechtsterroristischer Gruppierung

Mehrmals war auch der bundesweit bekannte Rechtsextremist Robin Schmiemann auf den Demonstrationen in Huckarde. Er ist fest in rechtsextreme Strukturen im gesamten Bundesgebiet eingebunden. Schmiemann pflegt Kontakte ins militante Neonazimillieu. Unter anderem trat er als Sprecher der seit 2020 verbotenen rechtsterroristischen Gruppe "Combat 18" auf. "Combat 18" steht für "Kampfgruppe Adolf Hitler" und gilt weltweit als rechtsterroristischer Arm eines internationalen Neonazinetzwerks.

Robin Schiemann (rechts) hilft dem Anmelder beim Verlesen der Auflagen | Bildquelle: Karsten Wickern

Schmiemann ist aber nicht nur als Teilnehmer bei den Demonstrationen in Huckarde gewesen, sondern unterstützte den Anmelder Jens L. bei den Kundgebungen. Ein Foto zeigt, wie der Neonazi Jens L. beim Verlesen der Demonstrationsauflagen hilft. Auf Nachfrage möchte L. nicht über seinen Kontakt zu dem Rechtsextremisten sprechen. Er sagt lediglich, er unterhalte sich mit vielen Teilnehmern seiner Kundgebungen.

"Freundschaftliches Verhältnis" zwischen Neonazi und Anmelder

Lokalreporter Karsten Wickern beobachtet für das Portal Nordstadtblogger seit Wochen die Proteste in Huckarde. Er erklärt, dass Schmiemann in die Organisation der Demonstrationen eingebunden sei und dabei an der Spitze laufe. Das Verhältnis zwischen Jens L. und Robin Schmiemann beschreibt Wickern als "sehr freundschaftlich".

Und auch die Dortmunder Polizei bestätigt, dass L. Verbindungen zu aktiven Rechtsextremisten hat. Er selbst gehöre nach derzeitigen Erkenntnissen aber nicht der organisierten rechtsextremen Szene an. Auch dazu möchte Jens L. auf unsere Anfrage keine Auskunft geben.

Polizei: Keine Unterwanderung durch Neonazis

Immer wieder beobachtet die Polizei, dass Neonazis sich unter die Demonstrationen der sogenannten "Querdenker"-Szene mischen. So nehmen immer wieder Teile der Neonazi-Szene an den Montagsdemonstrationen in der Dortmunder Innenstadt teil. In Lünen wurden die Proteste gegen die Corona-Politik sogar von einem Neonazi angemeldet.

Eine vollständige Unterwanderung der Proteste durch die rechte Szene sieht die Dortmunder Polizei zum jetzigen Zeitpunkt aber nicht. Sie hat aber angekündigt, in Dortmund-Huckarde und Lünen in den kommenden Wochen ganz genau hinzuschauen.

Rechtsextremist hilft auf Querdenkerdemos Lokalzeit aus Dortmund 28.01.2022 03:32 Min. Verfügbar bis 28.01.2023 WDR Von Christof Voigt

Über dieses Thema berichten wir in der Lokalzeit aus Dortmund im Fernsehen und Hörfunk.