Verbot von "Combat 18" - Razzia auch in NRW

Verbot von "Combat 18" - Razzia auch in NRW

Von Christof Voigt und Tobias Al Shomer

  • Verbot der rechtsextremen Terrorgruppe "C18"
  • Durchsuchung auch in NRW
  • Ein Schwerpunkt von "C18"-Straftaten liegt im Ruhrgebiet

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme Gruppe "Combat 18" verboten. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag (23.01.2020) mit. Die Polizei durchsuchte am Morgen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mehrere Objekte.

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zählt die Organisation bundesweit 20 Mitglieder. Forderungen nach einem Verbot der Gruppe gibt es schon lange - insbesondere nach dem Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, bei dem ein rechtsterroristischer Hintergrund vermutet wird.

Reul: "Waffenaffin und gewaltbereit"

"C18" steht für "Combat 18", also "Kampf(-gruppe) Adolf Hitler". Bei den Anhängern von "C18" ist nach Angaben des NRW-Innenministeriums von Waffenaffinität und individueller Gewaltbereitschaft auszugehen.

Die gewaltbereite rechtsextreme Organisation gilt als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" ("Blut und Ehre"). Sie hat ihren Ursprung in Großbritannien und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv.

Propaganda für rechte Terrororganisation

Auch in NRW gibt es Anzeichen für "C18"-Aktivitäten: Auf Demonstrationen der rechtsextremen Splitterpartei "Die Rechte" trat im Frühjahr 2019 ein Dortmunder Neonazi über Wochen offen mit "C18"-Symbolik auf: einem ganz bestimmten Drachen.

Der, der da so offen Propaganda für eine international vernetzte rechte Terrororganisation macht, ist kein Unbekannter. Robin S. hat als Brieffreund der verurteilten Rechtsterroristin Beate Zschäpe bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Er selbst saß lange im Gefängnis, wegen eines bewaffneten Raubüberfalls, bei dem er einen Menschen durch vier Schüsse schwer verletzt hat. Für den Rechtsextremismus-Experten Dierk Borstel von der Dortmunder Fachhochschule, ist das Verhalten von S. alarmierend: "Das Bekenntnis zu C18 ist eines zu Militanz, ist eines zu rechtsterroristischen Anschlägen. Da reden wir über die schlimmste, militanteste Form des Rechtsextremismus."

International vernetzt

S. selbst will sich auf Nachfrage des WDR nicht zu "C18" äußern. Unsere Recherchen zeigen aber: Er ist schon lange im "C18"-Umfeld aktiv, hat viele internationale Kontakte, etwa nach Polen, England oder Skandinavien. Besonders enge Verbindungen werden ihm zu William Browning nachgesagt. Der gilt als einer der "C18"-Köpfe in England und war 2016 mehrfach in Dortmund.

Und zwar kurz nachdem Robin S. eine mehrjährige Haft verbüßt hatte. Im Juni und Oktober 2016 nahmen die beiden Rechtsextremisten gemeinsam an Demonstrationen der Dortmunder Neonazi-Szene teil.

Musik und Konzerte wichtig für C18-Strukturen

Robin S. ist nicht der einzige Dortmunder Neonazi mit Verbindungen zum "C18"-Netzwerk. Auch Marko G., langjähriger Freund von Robin S., ist dort tief verstrickt. Der Sänger der rechtsextremen Band Oidoxie hat das "Combat18"-Logo auf seiner Brust tätowiert. Mit seiner Band spielt G. regelmäßig die Hymne der "C18"-Bewegung "Terrormachine, Combat 18".

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Stand: 23.01.2020, 16:00