Verbot von "Combat 18" - Razzia auch in NRW

Innenministerium verbietet militante rechtsextreme Organisation "Combat 18" WDR aktuell 23.01.2020 Verfügbar bis 07.02.2020 WDR Von Christof Voigt

Verbot von "Combat 18" - Razzia auch in NRW

Von Christof Voigt und Tobias Al Shomer

  • Verbot der rechtsextremen Terrorgruppe "C18"
  • Durchsuchung auch in NRW
  • Ein Schwerpunkt von "C18"-Straftaten liegt im Ruhrgebiet

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die rechtsextreme Gruppe "Combat 18" verboten. Das teilte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag (23.01.2020) mit. Die Polizei durchsuchte am Morgen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz mehrere Objekte.

Innenministerium verbietet "Combat 18"

WDR Studios NRW 23.01.2020 00:52 Min. Verfügbar bis 30.01.2020 WDR Online

Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden zählt die Organisation bundesweit 20 Mitglieder. Forderungen nach einem Verbot der Gruppe gibt es schon lange - insbesondere nach dem Attentat auf den Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, bei dem ein rechtsterroristischer Hintergrund vermutet wird.

Rechtsextremes Netzwerk C18 im Ruhrgebiet? 05:45 Min. Verfügbar bis 28.05.2020

Reul: "Waffenaffin und gewaltbereit"

"C18" steht für "Combat 18", also "Kampf(-gruppe) Adolf Hitler". Bei den Anhängern von "C18" ist nach Angaben des NRW-Innenministeriums von Waffenaffinität und individueller Gewaltbereitschaft auszugehen.

Die gewaltbereite rechtsextreme Organisation gilt als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" ("Blut und Ehre"). Sie hat ihren Ursprung in Großbritannien und ist in mehreren europäischen Ländern aktiv.

Propaganda für rechte Terrororganisation

Auch in NRW gibt es Anzeichen für "C18"-Aktivitäten: Auf Demonstrationen der rechtsextremen Splitterpartei "Die Rechte" trat im Frühjahr 2019 ein Dortmunder Neonazi über Wochen offen mit "C18"-Symbolik auf: einem ganz bestimmten Drachen.

Der, der da so offen Propaganda für eine international vernetzte rechte Terrororganisation macht, ist kein Unbekannter. Robin S. hat als Brieffreund der verurteilten Rechtsterroristin Beate Zschäpe bundesweit Schlagzeilen gemacht.

Robin S. auf einer Demonstration am 1. Mai in Duisburg

Robin S. auf einer Demonstration am 1. Mai in Duisburg

Er selbst saß lange im Gefängnis, wegen eines bewaffneten Raubüberfalls, bei dem er einen Menschen durch vier Schüsse schwer verletzt hat. Für den Rechtsextremismus-Experten Dierk Borstel von der Dortmunder Fachhochschule, ist das Verhalten von S. alarmierend: "Das Bekenntnis zu C18 ist eines zu Militanz, ist eines zu rechtsterroristischen Anschlägen. Da reden wir über die schlimmste, militanteste Form des Rechtsextremismus."

International vernetzt

S. selbst will sich auf Nachfrage des WDR nicht zu "C18" äußern. Unsere Recherchen zeigen aber: Er ist schon lange im "C18"-Umfeld aktiv, hat viele internationale Kontakte, etwa nach Polen, England oder Skandinavien. Besonders enge Verbindungen werden ihm zu William Browning nachgesagt. Der gilt als einer der "C18"-Köpfe in England und war 2016 mehrfach in Dortmund.

Und zwar kurz nachdem Robin S. eine mehrjährige Haft verbüßt hatte. Im Juni und Oktober 2016 nahmen die beiden Rechtsextremisten gemeinsam an Demonstrationen der Dortmunder Neonazi-Szene teil.

Musik und Konzerte wichtig für C18-Strukturen

Robin S. ist nicht der einzige Dortmunder Neonazi mit Verbindungen zum "C18"-Netzwerk. Auch Marko G., langjähriger Freund von Robin S., ist dort tief verstrickt. Der Sänger der rechtsextremen Band Oidoxie hat das "Combat18"-Logo auf seiner Brust tätowiert. Mit seiner Band spielt G. regelmäßig die Hymne der "C18"-Bewegung "Terrormachine, Combat 18".

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C18-Spuren führen auch nach Kamen

Rechtsextreme

Bei unserer Recherche stießen wir im Internet auf das Foto der Geschäftsführerin eines Unternehmens aus Kamen. Es zeigt sie und einen Dortmunder Neonazi bei einem rechten Konzert 2017 in Thüringen.

Außerdem werden auf einer antifaschistischen Internetseite Kontoauszüge eines führenden deutschen "C18"-Aktivisten veröffentlicht. Dort tauchen auch die Namen der Kamener Geschäftsfrau und des Dortmunder Neonazis auf. Demnach haben sie dem "C18"-Mann Geld überwiesen.

Ob und, wenn ja, warum sie das Geld überwiesen haben und wie sie zu C18 stehen, hätten wir gerne gewusst, eine Anfrage an die Unternehmerin blieb aber unbeantwortet.

Geld für Waffen?

Eine Entwicklung, die die Grünen im Land mit Sorge sehen. Wenn Geld in rechtsterroristische Strukturen fließe, sei das immer gefährlich, etwa weil das Geld zum Kauf von Waffen genutzt werden könnte, sagte Verena Schäffer, Abgeordnete der Grünen im Landtag: "Die Sicherheitsbehörden müssen da nicht nur sehr genau hinschauen, sondern müssen meines Erachtens auch überprüfen, ob die gesetzlichen Voraussetzungen dafür da sind, diese Vereinigung zu verbieten."

Fäden laufen bei „Die Rechte“ zusammen

Demonstration Partei "Die Rechte" am 25.05.2019 in Dortmund

Demonstration Partei "Die Rechte" am 25.05.2019 in Dortmund

Welche Rolle "C18"-Strukturen in der rechtsextremen Dortmunder Splitterpartei "Die Rechte" spielen, bleibt unklar. Auf den Demonstrationen der Partei hat Robin S. im Frühjahr 2019 nicht nur offen "C18"-Symbolik zur Schau gestellt.

Am Samstag (25.05.2019) war er maßgeblich an der Logistik und Organisation einer Demonstration der Partei in Dortmund-Hörde beteiligt, baute zum Beispiel Lautsprecher auf dem Demo-Lkw auf, ordnete während der gesamten Demonstration das Geschehen rund um diesen Lkw.

Und am Steuer des Demo-Lasters: Marco G., der "C18"-Sänger. Auf Verbindungen zum "C18"-Netzwerk angesprochen, wollte einer der beiden Vorsitzenden der Partei, Sascha Krolzig, dem WDR nicht antworten. Es ist ein enges, schwer zu durchschauendes Netzwerk, das die Rechtsextremisten im Ruhrgebiet aufbauen.

Straftaten mit C18-Bezug in NRW

In NRW sind in den vergangenen 10 Jahren insgesamt 12 Rechtsextremisten mit einem "C18"-Bezug straffällig geworden. Insgesamt sind die für 84 Straftaten verantwortlich. Darunter das Zeigen verfassungsfeindlicher Symbole, Bedrohung, gefährliche Körperverletzung oder Nötigung. Dabei stechen vor allem Dortmund mit 41 Taten, aber auch Köln mit 20 deutlich heraus. Das Innenministerium geht davon aus, dass zurzeit neun "C18"-Mitglieder in NRW leben. 

Grafik Straftaten mit Combat 18-Bezug in NRW 2009-2019, Dortmund 41

Grafik Straftaten mit Combat 18-Bezug in NRW 2009-2019

Stand: 23.01.2020, 16:00