Zechen-Rückbau in Bottrop schneller als geplant

Im Bergwerk Lohberg/Osterfeld in Dinslaken läuft Steinkohle über ein Förderband

Zechen-Rückbau in Bottrop schneller als geplant

Von Jörg Marksteiner

  • RAG-Stiftung berichtet über Stand der Folgekosten
  • Steuerzahler soll nicht zur Kasse gebeten werden
  • Rückbau der letzten Zeche schneller als geplant


Auch nach Ende der Steinkohlenförderung muss im Ruhrgebiet jede Menge Grubenwasser abgepumpt werden. Das salzige Wasser darf sich nicht mit dem höher gelegenen Trinkwasser mischen. Für die Millionenkosten ist seit Januar die Essener RAG-Stiftung zuständig, sie hat am Donnerstag (06.06.2019) über ihre Vermögenslage informiert.

Unter Tage wird aufgeräumt

Grubenwasser wird hochgepumpt und mündet in einen Teich

Grubenwasserauslauf

Tatsächlich drehen sich die Seilscheiben im Förderturm des letzten Bergwerks Prosper-Haniel in Bottrop noch immer. Aber nicht mehr für die Kohle. Die Bergleute fördern jetzt sozusagen Altmetall: „Alles, was wir an Förderbändern, an Maschinen und Teilen da unten haben, kommt nach über Tage. Die Strecken werden leergeräumt“, sagt Michael Sagenschneider vom Zechenbetreiber RAG.

48.000 Transportkisten wurden schon hoch geholt, weitere 8.000 warten noch. Von einst 13 unterirdischen Hängebahnen sind nur noch zwei unter Tage. Insgesamt komme man mit dem Rückbau schneller voran als geplant, sagt Sagenschneider: "Ende letzten Jahres hatten wir noch 100 Kilometer Streckennetz. Mittlerweile haben wir das auf 45 Kilometer reduziert. Und es wird jeden Tag weniger."

Ab Sommer Beton in die Schächte

Ausgeräumte Abschnitte werden mit meterdicken, explosionssicheren Dämmen verschlossen. 78 dieser 96 nötigen Beton-Pfropfen sind schon fertig. Als nächstes werden viele Tonnen Sand aufs Bergwerk gekarrt. Für die Betonmischer: Ab dem Spätsommer sollen bis 1.200 Meter senkrecht in die Tiefe führenden Schächte in der Kirchheller Heide mit Beton verfüllt werden.

Bergmann-Skulptur wird unter Tage aufgestellt

Bergmann-Skulptur wird unter Tage aufgestellt

Erstmals auch Kündigungen

Auch die Zahl der Mitarbeiter sinkt jeden Tag. "Es ist kein Kommen mehr, nur noch ein Gehen", sagt Sagenschneider. "Wir haben aktuell noch 805 Mitarbeiter an Bord. Im März waren es noch 1.300. Daran kann man mal erkennen, wie rasant der Personalabbau geht.

Einige Bergmänner gehen in Arbeitskleidung in einem Förderkorb

Wer nicht in den vorzeitigen Ruhestand gehen kann, wechselt zu anderen Firmen. Bislang jedenfalls. In dieser Woche werden erstmals 200 Kündigungen verschickt. Die betroffenen Kollegen hätten alle Jobangebote abgelehnt, heißt es bei der RAG. Offen ist, wie Arbeitsgerichte das Vorgehen des Zechenbetreibers bewerten.

Material wird verkauft – und verschrottet

Gleichzeitig geht in Bottrop der Ausverkauf weiter: Fördertechnik, Aggregate und Leitungen werden an Bergwerke ins Ausland verkauft. Einige Gerätschaften landen auch als Erinnerungsstücke in der Mitte von Kreisverkehren oder auf Spielplätzen. „Wir versuchen natürlich, so viel wie möglich davon zu verkaufen. Wenn das aber nicht geht, dann geht es in den Schrott."

Stand: 06.06.2019, 10:00