Rückbau in Bottrop: Schriftzug von Zeche Prosper Haniel abgenommen

Das Logo der RAG an der Kohlenwäsche auf dem Gelände Prosper II wird abgenommen

Rückbau in Bottrop: Schriftzug von Zeche Prosper Haniel abgenommen

Von Olaf Biernat

Vor zwei Jahren wurde die Zeche Prosper Haniel in Bottrop stillgelegt, der Rückbau ist in vollem Gange. Am Mittwoch hat ein ehemaliger Azubi der Zeche den riesigen Schriftzug auf der Kohlenwäsche demontiert.

In schwindelerregender Höhe steht Tim Drost auf einer Arbeitsbühne. Zwei Seile eines Krans halten die Gondel, die immer wieder hin und her wackelt. Mit Werkzeug hebelt der Bottroper die riesigen Buchstaben von der Fassade der Kohlenwäsche, die nach und nach heruntersegeln.

Man muss schwindelfrei sein

Der ehemalige Prosper Haniel-Azubi Tim Drost. Er hat "seine" Zeche mit zurückgebaut.

Der ehemalige Prosper Haniel-Azubi Tim Drost. Er hat "seine" Zeche mit zurückgebaut.

"Ist ein bisschen wackelig, man darf nur keine Höhenangst haben", sagt Tim Drost. Im Jahr 2004 hat er selbst eine Lehre als Industriemechaniker auf der Zeche Prosper Haniel angefangen und bis zum Jahr 2015 unter Tage gearbeitet. "Ich habe in dritter Generation hier gearbeitet und wäre noch gerne bis zur Rente geblieben. Und jetzt muss ich meine eigene Ausbildungsstätte abreißen, das tut schon weh."

Zeche wird dem Erdboden gleich gemacht

Seit einem Jahr sind die Rückbauarbeiten auf Schachtanlage II in vollem Gange. Viele Gebäude sind schon dem Erdboden gleichgemacht, jetzt ist die Kohlenwäsche dran. Die Metallverkleidung wird herausgerissen, durch Löcher sieht man Stahlträger und Reste des Ortes, in dem früher Kohle von Bergmaterial getrennt wurde. Im kommenden Jahr ist dann die Kaue dran, dort haben sich die Kumpel früher umgezogen.

150 Jahre Bergbau sind Geschichte

Zeche Prosper Haniel wird zurückgebaut

Das Gelände der Zeche. Seit Mitte 2020 läuft der Abriss der Schachtanlage.

Am Ende soll nur noch der Malakoffturm als Landmarke stehen bleiben. Drum herum wird dann ein Gewerbegebiet gebaut. Bis es so weit ist, muss der hydraulische Abbruchhammer aber noch viel Mauerwerk und Stahlbetonplatten zerstören. Auch eine Bodenuntersuchung muss noch gemacht werden, um zu analysieren, wie groß die Altlasten von 150 Jahren Bergbau tatsächlich sind.

Schriftzug bei Museen nicht gefragt

Tim Drost wird für die Rückbaufirma immer dabei sein: "Es war eine schöne Zeit auf Prosper, aber jetzt ist es vorbei. Es muss Platz für was Neues gemacht werden". Der Schriftzug ist übrigens nicht mehr gefragt, einer Abfrage durch die RAG hat ergeben: Sämtliche Museen in der Region wollten ihn nicht mehr haben.

Kohle im Blut - Ein Jahr im Leben einer Bergmannsfamilie WDR 08.12.2018 28:54 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Kai-Hendrik Haß

Stand: 03.03.2021, 16:26