Erst Flucht, dann Einser-Abi: Rabi Bahnan aus Essen

Junger Mann lächelt

Erst Flucht, dann Einser-Abi: Rabi Bahnan aus Essen

Von Rihan Jawich

  • 21-jähriger flüchtete vor fünf Jahren aus Syrien
  • Abitur mit der Note 1,0
  • Möchte in Zukunft Medizin studieren

Mittlerweile hat Rabi wieder mehr Freizeit. Diese verbringt er gerne mit seiner ehemaligen Mitschülerin der UNESCO-Schule und guten Freundin Aysu. In der Lernzeit waren sie beide füreinander da. „Die meiste Unterstützung war auch eigentlich seelisch“, sagt Rabi. Wegen des Drucks seien die Gespräche am Telefon besonders wichtig für ihn gewesen.

Höchste Punktzahl in Abschlussprüfungen

In den Abschlussprüfungen hat er in allen Fächern die höchste Punktzahl (15 Punkte) erhalten. Als Rabi neu in Aysus Klasse kam, hat sie ihm dabei geholfen, dass er hier Anschluss findet. „Ich habe durch sie und andere Freunde gelernt, wie zum Beispiel Jugendliche hier denken."

Nächster Schritt: Medizinstudium

Junger Mann und junge Frau sitzen hinter Laptop

Jetzt plant Rabi seine berufliche Zukunft. Er möchte Medizin studieren. Eine Zusage für ein Stipendium hat er schon. Vor einigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Als er mit 16 nach Essen kam, sprach er noch kein Wort Deutsch. Aysu und andere Freunde haben ihm bei der Sprache geholfen – er hat sie im Gegenzug bei schulischen Problemen in einigen Fächern unterstützt.

Eine Erfolgsgeschichte mit Schicksalsschlägen

Es ist eine Erfolgsgeschichte. Aber der Weg dahin war schwierig. Rabi und seine Eltern mussten ihre Heimat Syrien verlassen. Doch er möchte nicht zu viel in die Vergangenheit blicken. „Man hat Heimweh, aber es ist jetzt so, dass man schöne Erinnerungen an das hat, was damals war. Wenn man sich die jetzige Realität anschaut in Syrien - das will man nicht wirklich."

Familie sitzt auf Couch und isst Kuchen

Rabis Schwester Sprta (31) und sein Bruder Abjar (27) kamen ein Jahr früher nach Deutschland. Besonders die Zahnärztin Sprta hat sich am Anfang Sorgen um ihren kleinen Bruder gemacht: "Das ist eine neue Welt. Die Schule – ich habe keine Erfahrung in diesem Bereich. Wie konnte ich ihm helfen? Aber er hat das sehr gut gemacht und wir sind sehr, sehr stolz auf ihn.“

Leben mit sozialen Umbrüchen

Mit zwölf Jahren musste Rabi mit seiner Familie seine Heimatstadt Aleppo verlassen. "Später habe ich mir ein soziales Netzwerk in einer anderen Stadt in Syrien aufgebaut. Das musste ich auch verlassen", erzählt Rabi über die Kriegsjahre in Syrien.

Rabi blickt in die Zukunft

Mit seinem Einser-Abi hat Rabi beruflich alle Möglichkeiten. Im Moment ist ihm ein ganz bescheidener Wunsch am wichtigsten: Mein Leben war immer gekennzeichnet von sozialen Umbrüchen. Was ich mir und meiner Familie wünsche, ist hier Stabilität.“ Derzeit genießt er es, mit seiner ganzen Familie hier zu sein und gute Freunde wie Aysu an seiner Seite zu haben.

Stand: 21.07.2020, 17:19