Prozessbeginn um Millionen-Betrug mit Corona-Tests

Stand: 02.12.2021, 10:16 Uhr

Der Betreiber mehrerer Coronatestzentren soll 25 Millionen Euro erschlichen haben. Nun wird der mögliche Abrechnungsbetrug vor Gericht verhandelt. Der Anwalt des Hauptbeschuldigten las zum Auftakt eine Erklärung vor.

Mit leichter Verzögerung hat am Morgen (02.12.2021) der Prozess um möglichen Betrug mit Corona-Tests am Landgericht Bochum begonnen. Der Anwalt hatte wichtige Unterlagen in seiner Kanzlei vergessen. Seit Juni sitzt der ehemalige Betreiber der Firma Medican bereits in Untersuchungshaft. Sein Sohn, der mitangeklagt ist, wurde zwischenzeitlich freigelassen, sitzt aber mit auf der Anklagebank.

Medican-Prozess am Landgericht Bochum

Die beiden sollen unter anderem Coronatests abgerechnet haben, die gar nicht stattgefunden haben. Außerdem, so steht es in der Anklage, habe die Firma Medican bei der Kassenärztlichen Vereinigung zu hohe Rechnungen für Material eingereicht.

Persönliche Erklärung des Hauptbeschuldigten

Allein das Verlesen der Anklage hat zum Prozessauftakt eine Dreiviertelstunde gedauert. Die Angeklagten sollen mit ihrer Firma Medican innerhalb von nur zwei Monaten rund 900.000 Schnelltests abgerechnet haben, die gar nicht durchgeführt wurden. Schaden: 25 Millionen Euro. Das Unternehmen hatte Teststellen in ganz Deutschland.

Der Anwalt des Hauptbeschuldigten verlas heute zu Prozessauftakt eine Erklärung seines Mandanten: Demnach habe er helfen wollen, mit einem dichten Netz an Teststationen wieder etwas mehr Normalitiät in den Coronaalltag zu bringen. Zu keiner Zeit sei es um eine persönliche Bereicherung gegangen. Sollte es zu Fehlern bei der Abrechnung gekommen sein, seien die deutlich geringer als in der Anklage vorgeworfen. Und allein dem allgemeinen Chaos im Frühjahr geschuldet. Plötzlich habe es von überall her Anfragen nach neuen Teststationen gegeben.

Durch WDR Recherchen aufgefallen

Die Firma Medican war im Frühjahr durch Recherchen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" aufgefallen. Das Netzwerk hatte an einem Standort in Essen beobachtet, wie viele Menschen sich an einem Tag auf Corona haben testen lassen. Ein Abgleich mit der Abrechnung zeigte dann die deutliche Abweichung: Medican meldete mehr als 1.700 Bürgertests, nur 550 Menschen waren aber dort. Abrechnen konnten die Teststellen pro Bürgertest 18 Euro.

Nach WDR-Informationen soll es einen dritten Verdächtigen geben. Dabei soll es sich um einen Verwandten der beiden Angeklagten handeln, der ebenfalls in den Fall verwickelt sein soll. Der Mann soll sich mit 3 Millionen Euro ins Ausland abgesetzt haben. Medican, mit Firmensitz in Bochum, hatte bundesweit zahlreiche Testzentren betrieben. Die Betreiber haben die Vorwürfe des Betruges von Beginn an zurückgewiesen. Am Landgericht sind für das Verfahren bisher dreizehn Prozesstage bis Mitte Februar angesetzt. Der Vater ist u.a. wegen Betruges angeklagt, sein Sohn wegen Beihilfe. Im Fall einer Verurteilung drohen bis zu zehn Jahre Haft.