Prozess um versuchten Mord für die Familienehre

Prozess um versuchten Mord für die Familienehre

Von Maya Graef

  • Mordplan wegen Ehebruch
  • Brutale Gewalt gegen jungen Liebhaber
  • 13 Personen angeklagt
  • Urteil voraussichtlich im Juli

Ein junges syrisches Pärchen, zur Tatzeit 18 und 19 Jahre alt, sollte sterben, weil es Ehebruch begangen hat und damit die Ehre der Familie der verheirateten Frau beschmutzt haben soll. Seit Dienstagmorgen (22.01.2019) stehen deswegen 13 Angeklagte einer syrischen Großfamilie vor dem Essener Landgericht.

Familienrat schmiedet Mordplan

Zwar wurde die Ehebrecherin verschont. Doch ihr Liebhaber, Mohammed A. aus Essen, sollte getötet werden. Das hatten laut Anklage mehrere Angehörige Ende Mai 2018 bei einem Treffen mit den Familienoberhäuptern beschlossen. Die Mutter der jungen Frau, die ihre Tochter als Ehebrecherin gesehen haben soll, gilt als eine der Drahtzieherinnen der Tat. Sie weinte immer wieder auf der Anklagebank.

Der Prozessauftakt wurde mit einem großen Polizeiaufgebot gesichert. Einer der Angeklagten wurde von vermummten SEK-Beamten in den Verhandlungssaal geführt. Er hatte bereits im Vorfeld des Prozesses umfassend ausgesagt und seine Verwandten teilweise schwer belastet.

Massive Schläge gegen den Kopf

Den zahlreichen Zuschauern im Gerichtssaal stockte der Atem, als die Anklage verlesen wurde. Darin wird der Mordversuch detailliert geschildert. In der Nacht vom 30. auf den 31. Mai 2018 lauerten acht Männer dem jungen Syrer in Essen auf. Auf das Opfer wurde eingeschlagen und getreten, vor allem gegen den Kopf. Ihm wurden zahlreiche Messerstiche versetzt und ein Teil der Kopfhaut abgetrennt.

Durch Not-OP gerettet

Mohammed A. wurde lebensgefährlich verletzt. Er überlebte nur knapp. Die Angeklagten ließen offenbar von ihm ab, als eine Anwohnerin auf einem Balkon den Tumult bemerkte und damit drohte, die Polizei zu rufen.

Urteil im Juli erwartet

Insgesamt elf Männer und zwei Frauen müssen sich wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe verantworten. Das Landgericht rechnet aufgrund der Vielzahl der Beteiligten mit einer langwierigen Beweisaufnahme. Ein Urteil wird im Juli erwartet. Bis dahin sind 27 Prozesstage vorgesehen.

Stand: 22.01.2019, 15:27