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Gelsenkirchen: Hohe Haftstrafe für judenfeindliche Parolen

Stand: 06.10.2021, 16:30 Uhr

Nach einer antisemitischen Demonstration vor der Gelsenkirchener Synagoge ist ein 30-jähriger Deutsch-Araber zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Der Vorwurf: Volksverhetzung.

Im Mai war der Angeklagte Ali S. bei einer Demonstration dabei, die bundesweit Entsetzen ausgelöst hatte. 180 Menschen standen laut brüllend vor der Synagoge in Gelsenkirchen. In einem Video, das sich schnell im Internet verbreitete, ist zu hören wie die Menschenmenge Hassparolen gegen Juden ruft.

Laut Staatsanwaltschaft soll auch Ali S. "Scheiß Juden" gerufen haben. Videos dieses Aufmarsches sorgten bundesweit für Entsetzen. Der Richter am Amtsgericht sieht diesen Vorwurf als besonders schwerwiegend an.

Täter ist Polizei und Richtern bekannt

Der 30-Jährige war bereits wegen verschiedener Delikte der Polizei und bei Gericht bekannt. Wegen Diebstahls und Körperverletzung wurde er bereits verurteilt und ist in U-Haft. Zur Tatzeit im Mai war Ali S. auf Bewährung in Freiheit. Allein in diesem Jahr ist die Liste der Vorwürfe lang, wie das Gerichtsverfahren zeigt: Körperverletzung, Freiheitsberaubung, Betrug, Fahren ohne Führerschein, Drogenhandel.

Die Demo am 12. Mai richtete sich gegen die Politik Israels im Gazastreifen. Insgesamt sind Verfahren gegen 14 Teilnehmer der Demo eingeleitet worden.

Junge Juden immer noch verängstigt

Bis heute, so die Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Judith Neuwald Tasbach, beeinträchtigen diese Vorfälle vor allem junge Menschen jüdischen Glaubens. Sie hätten Angst, sich öffentlich zu ihrer Religion zu bekennen.