Loveparade-Prozess: Zeuge schildert Polizei-Fiasko

Polizisten stehen am 24.07.2010 in Duisburg auf der Loveparade an dem gesperrten Tunnel

Loveparade-Prozess: Zeuge schildert Polizei-Fiasko

Von Martin Teigeler

  • Polizei-Stabsleiter erneut Zeuge im Loveparade-Prozess
  • Bericht über chaotische Abläufe am Unglückstag
  • Zeuge hatte seine Kinder auf der Loveparade

Warum konnten tausende Polizisten die Massenpanik bei der Duisburger Loveparade 2010 mit 21 Toten nicht verhindern? Am Mittwoch (05.09.2018) musste beim Loveparade-Prozess der damalige polizeiliche Leiter des Führungstabs Auskunft geben - wie bereits am Vortag.

Eigene Kinder auf der Loveparade

Der 55-Jährige räumte ein, dass er zuvor kaum Erfahrung mit Großveranstaltungen hatte. Er schilderte, wie er am 24. Juli 2010 zunächst seinen Sohn auf der Veranstaltung absetzte - und dann seinen Spätdienst in der Polizei-Stabsstelle begann. Auch seine Tochter sei auf der Loveparade gewesen.

Der Zeuge berichtete, dass führende Polizisten zwischenzeitlich damit beschäftigt waren, den damaligen Innenminister Ralf Jäger (SPD) auf der Loveparade zu empfangen.

Wer wusste von Polizeiketten?

Schon am frühen Nachmittag gab es erste Meldungen über zunehmendes Gedränge. Von Polizeisperren in Tunnel und an der Rampe, die eine Verschärfung bewirkt haben könnten, habe er nichts gewusst, so der Zeuge. Der Polizei-Abschnittsführer habe diese Sperren in Abstimmung mit dem Leiter seiner Hundertschaft bilden lassen.

Auf die Frage des Vorsitzenden Richters Mario Plein, warum er als Leiter des Führungsstabs davon nichts gewusst habe, sagte der Zeuge: "Ich kann mir das nicht erklären." Dies hätte dem Stab eigentlich gemeldet werden müssen. Der Richter äußerte auch Unverständnis darüber, dass die Polizei viele Überwachungskameras nicht im Blick hatte.

Vorwürfe dementiert

Vehement wies der Zeuge Vorwürfe aus einem Protokoll eines angeklagten Mitarbeiters der Veranstalter-Firma vom 25. Juli 2010 zurück, wonach die Polizei vor der Massenpanik den Abbau der Zugangssperren verlangt haben soll. "Wir haben nicht gefordert, die Vereinzelungs-Anlage abzubauen - zu keinem Zeitpunkt", so der Polizeibeamte.

Schon vor der Loveparade hatte es Streit um die Dienstpläne bei der Polizei gegeben. Auch die Vorbereitungen mit Stadt und Veranstalter beschrieb der Zeuge als teilweise schwierig. Am Donnerstag (06.09.2018) wird der Polizist erneut vernommen.

Stand: 05.09.2018, 16:45