Gruppenvergewaltigung: Fünf Männer in Essen vor Gericht

Gruppenvergewaltigung: Fünf Männer in Essen vor Gericht

  • Prozess gegen mutmaßliche Gruppenvergewaltiger gestartet
  • Angeklagter legt Geständnis ab
  • Sieben Fälle in Essen und Gelsenkirchen angeklagt

Sie wollen auf keinen Fall erkannt werden. Die fünf angeklagten Männer aus Essen, Gelsenkirchen und Wuppertal – alle zwischen 17 und 24 Jahre alt – saßen auf der Anklagebank des Essener Landgerichts. Sie sollen junge Mädchen angelockt und dann an abgelegenen Orten in Essen und Gelsenkirchen sexuell missbraucht und in fünf Fällen auch vergewaltigt haben. Die Tat hatte bei Bekanntwerden im Februar wegen der besonderen Heimtücke und Brutalität für großes Aufsehen gesorgt.

Angeklagter legt Geständnis ab

Einer der fünf Angeklagten hat ein Geständnis abgelegt. "Ich stehe zu meinen Taten und möchte mich in aller Form entschuldigen," ließ der 20-Jährige aus Gelsenkirchen durch seinen Verteidiger erklären. Zudem bot er allen Betroffenen ein angemessenes Schmerzensgeld an. Er schäme sich für seine Taten.

Polizisten und die Staatsanwaltschaft sitzen an einem Tisch und sprechen in Mikrofone

Die Pressekonferenz zu den Vergewaltigungen

Laut Anklage war die Masche der Beschuldigten immer die gleiche: Ein Lockvogel machte sich mit den Opfern bekannt und erschlich sich deren Vertrauen. Dann wurden die Mädchen dazu eingeladen, gemeinsam mit dem Auto umherzufahren. Völlig arglos seien die Mädchen gewesen, als sie zu den jungen Männern ins Auto stiegen, so die Staatsanwaltschaft.

Es seien weitere Männer dazugekommen. Unter dem Vorwand, kurz telefonieren zu müssen, sollen sie den Mädchen das Handy abgenommen haben. In abgelegenen Waldgebieten oder auf Feldwegen sei es dann zu den sexuellen Übergriffen gekommen.

Teilweise sollen sich die Beschuldigten über Stunden nacheinander an ihren Opfern vergangen haben. Chatprotokolle hatten die Ermittler schließlich zu den nun angeklagten Männern geführt. Sie sollen sich über Whatsapp zu den Taten verabredet und auch über die angeklaten Taten ausgetauscht haben.

Vier von ihnen sitzen in Untersuchungshaft. Der Jüngste ist 17 Jahre alt und wegen seines Alters auf freiem Fuß.

Langer Prozess belastet die Opfer

Eines der Mädchen ist schon zum Prozessauftakt gemeinsam mit ihrer Mutter ins Gericht gekommen. Sie und die anderen werden als Zeugen über das sprechen müssen, was passiert ist.

Für die Opfer ist das eine enorme Belastung. Marianne Wüstefeld vom Dachverband der autonomen Frauenberatungsstellen NRW e.V. beschreibt die Situation der Mädchen so: "So ein Prozess reißt die seelischen Wunden wieder auf. Niemand von uns kann ermessen, wie schwierig das ist, nach so einer Tat den Tätern zu begegnen und alle Einzelheiten noch einmal erzählen und durchleben zu müssen."

Für das Verfahren am Essener Landgericht sind 21 Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil wird Mitte November erwartet. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es noch weitere Täter und Opfer gibt.

Stand: 13.07.2018, 13:09