Duisburg: Beleidigungsprozess gegen Broder ausgesetzt

Duisburg: Beleidigungsprozess gegen Broder ausgesetzt 03:14 Min. Verfügbar bis 13.05.2020

Duisburg: Beleidigungsprozess gegen Broder ausgesetzt

  • Umstrittenes Broder-Zitat in Zeitungsartikel
  • Prozess wegen Beleidigung nach zehn Minuten ausgesetzt
  • Broders Verteidiger kritisiert Staatsanwaltschaft

Nach nur zehn Minuten Verhandlung hat das Amtsgericht Duisburg am Montag (13.5.2019) einen Prozess gegen den Berliner Publizisten Henryk M. Broder ausgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 72-Jährigen Beleidigung vor. Gegenüber der rechtskonservativen Wochenzeitung "Junge Freiheit" soll Broder in einem Artikel vom 30. September 2016 gesagt haben, die Duisburger Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor habe "einen an der Klatsche".

Verteidiger kritisiert Staatsanwaltschaft

Broders Verteidiger Joachim Nikolaus Steinhöfel warf der Staatsanwaltschaft zu Beginn der Verhandlung vor, nicht ermittelt zu haben, ob das Zitat wirklich gefallen sei. Das Gericht ordnete daraufhin an, den Zeitungsredakteur zu ermitteln, dem Broder gegenüber die Worte geäußert haben soll. Dieser soll nun als Zeuge geladen werden.

Vor dem Prozess hatte das Landgericht erklärt, die Staatsanwaltschaft begründe ihre Anklage damit, dass der Angeklagte beabsichtigt habe, "seine Missachtung gegenüber der Geschädigten kundzutun und sie in ihrer Ehre zu verletzen".

Kaddor machte Broder für Hassmails verantwortlich

Lamya Kaddor (Islamwissenschaftlerin und Autorin)

Islamwissenschaftlerin und Autorin Lamya Kaddor

Dem umstrittenen Zitat Broders war ein Interview Kaddors mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vorausgegangen. Die Zeitung zitierte die heute 41-Jährige mit den Worten, "Leute wie der Islamkritiker Henryk M. Broder" würden in ihren Texten "gegen mich schießen".

Deshalb erlebe sie einen Ansturm von Hassmails, Bedrohungen und Beschimpfungen gegen ihre Person. "Die Hassmails, die ich bekomme, verweisen ausdrücklich auf diese Artikel", heißt es weiter in dem damals geführten Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Einspruch gegen früheren Strafbefehl

Das Amtsgericht Duisburg hat in der Sache bereits im Februar 2018 Strafbefehl über 2.000 Euro gegen Broder erlassen. Weil er dagegen Einspruch einlegte, startete am Montag (13.05.2019) die Gerichtsverhandlung.

Stand: 13.05.2019, 14:48

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