Apotheker-Urteil: Beide Seiten legen Revision ein

Personifikation des Rechts: Die Justizia mit der Waagschale

Apotheker-Urteil: Beide Seiten legen Revision ein

  • Essener Richter hatten zwölf Jahre Haft verhängt
  • Beide Seiten legen Revision ein
  • Sachverhalt wird nicht neu verhandelt

Der Skandal um mutmaßlich gepanschte Krebsmedikamente in einer Apotheke in Bottrop wird die Justiz auch nach dem Urteil weiter beschäftigen. Die Verteidiger des 48-jährigen Apothekers Peter S. hätten ebenso wie die Staatsanwaltschaft Revision gegen die Verurteilung zu zwölf Jahren Haft eingelegt. Auch eine Nebenklägerin wolle das Urteil vom Bundesgerichtshof überprüfen lassen, sagte ein Sprecher des Landgerichts Essen am Dienstag (10.07.2018).

Sachverhalt wird nicht neu verhandelt

In einem Revisionsverfahren prüft der BGH, ob das angefochtene Urteil rechtlich einwandfrei ist. Der Sachverhalt wird nicht erneut verhandelt. Wann sich der BGH mit dem Fall beschäftigt, ist noch offen. Nach Angaben des Landgerichts-Sprechers hat das Gericht nach der Urteilsverkündung wegen des großen Umfangs des Verfahrens nun 13 Wochen Zeit für die schriftliche Urteilsbegründung. Liegt diese vor, haben Staatsanwaltschaft und Verteidigung wiederum einen Monat Zeit, ihre Revision zu begründen.

Nebenklägerin will "versuchten Mord" im Urteil

Eine betroffene Patientin will zusammen mit ihrem Anwalt erreichen, dass auch "versuchter Mord" im Urteil berücksichtigt wird. Der Richter hatte in seiner Urteilsbegründung ein Tötungsdelikt ausgeschlossen, weil er es juristisch nicht für nachweisbar hält. Für den Anwalt hat der Apotheker aber billigend in Kauf genommen, dass Patienten sterben. Dieser Tatvorwurf müsse sich auch im Urteil wiederspiegeln. Um die Höhe der Strafe gehe es ihm und seiner Mandantin nicht.

Die Richter am Landgericht Essen hatten den Apotheker am Freitag (06.07.2018) wegen Betruges und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz verurteilt. Sie waren am Ende des Prozesses überzeugt, dass der Apotheker jahrelang lebenswichtige Medizin seiner Patienten gestreckt hatte, um einen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Außerdem erhielt er ein lebenslanges Berufsverbot. Der Apotheker sitzt seit November 2016 in Untersuchungshaft.

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WDR 2 | 06.07.2018 | 03:48 Min.

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Stand: 10.07.2018, 15:37