Prostitution in der Pandemie: "Es bleibt immer eine gewisse Angst"

Von Catherine Jaspard

Die Bordelle waren lange zu. Und natürlich hat Prostitution trotzdem stattgefunden. Illegal. Allein die Straßenprostitution, in Dortmund seit langem verboten, hat während der beiden Lockdowns um 30 Prozent zugenommen.

Mittlerweile haben die Bordelle wieder geöffnet. Zwei Prostituierte, Christina und Alex, aus der Linienstraße in Dortmund sprechen darüber, wie es ihnen selbst ergangen ist und was ihre Kolleginnen erlebt haben. Sie wollen allerdings unerkannt bleiben.

Christina und Alex sind alte Hasen in der Linienstraße in Dortmund, sagen sie über sich selbst. Seit mehr als zehn Jahren arbeiten sie hier im Bordell. Einige ihrer Stamm-Kunden haben ihre Handynummern und wollten sich mit ihnen verabreden.

Private Treffen mit Freiern sind No-go

Alex lebte von ihren Ersparnissen | Bildquelle: WDR / Catherine Jaspard

Alex: "Meistens haben sie versucht, mich privat zu treffen, was für mich ein No-go ist, mein Privatheim ist mein Privatheim oder irgendwie auch im Park oder Auto treffen."

Während die Bordelle geschlossen waren, haben die beiden nicht gearbeitet, sagen sie. "In illegalem Raum kann ich mir schwer vorstellen, dass ich da Schutz habe, ich kann keine Polizei anrufen, ich weiß auch nicht was die vorhaben, wer da kommt, was das für einer ist, also ne", erzählt Alex weiter.

"Habe gesehen, wer mich als Mensch sieht"

Alex hat lange von ihren Ersparnissen gelebt. "Ich habe auch ein paar Kunden, die haben gefragt, ob ich irgendetwas brauche, ob ich meine Miete bezahlen kann zu Hause, ob ich was zu Essen habe, ein paar haben mir was geliehen, ohne Dienstleistung dafür, und natürlich gab es auch andere, die wollten eigentlich nur ihren Spaß haben. In dieser Zeit habe ich ehrlich gesehen, wer mich als Mensch sieht, und wer als Dienstleister."

Chrstina hat Angst vor Stigmatisierung | Bildquelle: WDR / Catherine Jaspard

Christina ist von ihrem Partner unterstützt worden: "Es ist ja nicht nur eine finanzielle Belastung, wenn man nicht mehr arbeiten darf, sondern auch emotional, man wird ja komplett aus dem Leben gerissen, und einfach steht man da mit einer gewissen Perspektivlosigkeit. Ich war schon sehr froh, dass ich ihn in dieser schwierigen Zeit hatte."

Viele Prostituierte wussten nicht, wie sie ihr Leben finanzieren sollen, und die Hürde, Überbrückungsgeld zu beantragen war ihnen zu groß, erklärt Christina: "Es bleibt immer eine gewisse Angst vor der Stigmatisierung, und man weiß nie, wo es einmal später auftauchen wird, vielleicht möchte ich ja mal in eine ganz andere Branche wechseln, und da ist ja immer einfach die Angst, dass jemand erfahren könnte, was ich vorher gemacht habe."

Gefährlicher Ausweg Straßenprostitution

Aus Verzweiflung haben einige Frauen als Straßenprostituierte gearbeitet und sich in große Gefahr gebracht. "Ich weiß z.B. von einer Kollegin, dass sie zu einem Mann ins Auto gestiegen ist, und sie dachte sie fahren auf den Parkplatz, und der hat sie dann nicht raus gelassen und er ist dann übergriffig geworden. Er hat Praktiken von ihr verlangt, die sie so nie gemacht hätte, und aus Angst, bestraft zu werden, weil es ja verboten war, ist sie nicht zur Polizei gegangen", sagt Christina.

Weiterer Lockdown wäre fatal

Christina berichtet außerdem von einer Kollegin, die in einem Hotelzimmer aufwachte und sich an gar nichts mehr erinnern konnte. "Wahrscheinlich wurde sie mit KO-Tropfen oder Ähnlichem betäubt, und sie sagte, sie war einfach nur froh, dass sie noch gelebt hat."

Einen weiteren Lockdown würden sie nicht verkraften, sagen beide - der würde noch mehr Frauen in die Illegalität drängen.