Probleme nach Drittimpfung in Oberhausen?

Probleme nach Drittimpfung in Oberhausen?

In einem Seniorenheim in Oberhausen hat es wenige Tage nach der Corona-Auffrischimpfung bei mehreren Senioren ernste Probleme gegeben.

Die Stadt hat auf WDR Anfrage bestätigt, dass zwei Bewohner eines Altenheims in Oberhausen-Holten drei Tage nach der Auffrischimpfung wiederbelebt werden mussten. Tote habe es demnach nicht gegeben. Zunächst hatte es geheißen, dass drei Menschen reanimiert worden seien.

Die Stadt teilte auch mit, dass es insgesamt bei ca 10% der geimpften Personen zu auffälligen gesundheitlichen Störungen gekommen sei, "im Wesentlichen in Form von Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und neurologische Störungen".

Verschiedene Ursachen möglich

Ob es einen konkreten Zusammenhang zur Impfung gibt, muss aber ausdrücklich noch untersucht werden. Der Leiter des Gesundheitsamtes geht derzeit davon aus, dass verschiedene Umstände zu den Komplikationen geführt hätten. Wie zum Beispiel Dauermedikation, die zunehmende Wärme und Dehydrierung.

Ärzte per Schreiben gewarnt

In einem internen Schreiben, das dem WDR vorliegt, informiert der Vorstand der Kreisstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein niedergelassene Ärzte: "Ich möchte es nicht versäumen Ihnen diese Vorfälle mitzuteilen."

Und weiter: "Ich würde Sie bitten, selber ärztlich zu entscheiden, ob Sie auf eine Empfehlung durch die Stiko beziehungsweise EMA warten oder ob die dritten Impfungen nun zeitlich bei Ihren eigenen Patienten so dringlich sind, dass Sie diese ohne Empfehlung durchführen müssen."

Mediziner ziehen Konsequenzen

Der Oberhausener Hausarzt Peter Kaup hat wegen des Schreibens heute seine Patienten in Altenheimen nicht drittgeimpft. Er will abwarten, bis die Ständige Impfkommission des RKI grünes Licht gibt. Eine Drittimpfung "ohne Impfempfehlung jetzt schnell durchzuführen ist aus medizinischer Sicht nicht nachvollziehbar", sagte er dem WDR.

Auch das Mülheimer Impfzentrum schränkt wegen der Vorfälle sein Impfangebot ein. Über 80-Jährige bekommen vorerst nur dann eine Auffrischimpfung, wenn die ersten Corona-Impfungen mindestens sechs Monate zurück liegen.

Virologe: "zu ängstlich reagiert"

Der Dortmunder Virologe, Carsten Watzl warnt hingegen vor voreiligen Schlüssen. Er glaubt, das sei "auf diesen einen Vorfall zu ängstlich reagiert", weil man von einzelnen Reaktionen nicht auf das Gros schließen könne.

Auch die KV Westfalen-Lippe weist darauf hin, dass die einzelnen Fälle genau überprüft werden müssen. Erkenntnisse aus Israel hätten eigentlich gezeigt, dass es keine Probleme bei Drittimpfungen gegeben habe.

Zusammenhang mit Impfung wird überprüft

Insgesamt sollen in der betroffenen Einrichtung 90 Menschen dritt-geimpft worden sein. Davon hatten neun so starke Reaktionen, dass sie behandelt werden mussten.

Stand: 07.09.2021, 17:40