Trauerbegleitung für Kinder: "Mit Ponys eine Brücke in den Himmel bauen"

Von Agata Pilarska

In Gladbeck können Kinder und Familien schwere Schicksale mit Hilfe von besonderen Unterstützern verarbeiten: Ponys und Pferde werden in schweren Zeiten zum Trauerbegleiter.

"Unser Papa ist gestorben. Die Trauerbegleitung hat uns gefragt, was wir gern mal machen würden. Meine Schwestern und ich haben Reiten gesagt", erzählt die 11-jährige Elif*.

1. Vorsitzender Christian Krause mit seinen Schützlingen | Bildquelle: WDR/Agata Pilarska

Die Trauerbegleitung erzählte Christian Krause vom Schicksal der vier Mädchen. Als Pädagoge und Shetlandpony-Liebhaber fühlte er sich für diese Aufgabe berufen: "Es ist mein Lebenstraum, mit Pferden und Kindern zu arbeiten und ihnen eine Perspektive für ein schönes Leben zu geben", sagt der 43-Jährige.

Gemeinsam mit seinem Vater begann er, geeignete Pferde und Ponys zu suchen. Jetzt, rund vier Jahre später, hat er ein 25-köpfiges Team aufgebaut: Pädagogen, Pferdewirte und Physiotherapeuten kümmern sich im Verein "Tierische Seminare e.V." um trauernde Kinder und Erwachsene. 30 Einzel- und 12 Gruppentherapieplätze stehen zur Verfügung.

"Eine Brücke in den Himmel bauen"

Trotzdem bietet der Verein weder klassische Trauerbegleitung, noch Reittherapie. "Über die Ponys und Pferde als Co-Therapeuten finden wir Zugang zu den Trauernden", erzählt Christian Krause. "Wir können mit den Ponys eine Brücke in den Himmel bauen."

Pädagogin Denise Schwendner zeigt den Kindern, wie man Hufe reinigt | Bildquelle: WDR/Agata Pilarska

Farbe wird hilfreich, wenn sich ein Kind nicht von seinem Angehörigen verabschieden konnte. Das Pony wird mit dem Namen des Verstorbenen versehen - das Kind spürt dabei Nähe, Wärme, Ruhe und Kraft. Es kann dadurch seine Trauer leichter zulassen und dabei dem Pony erzählen, was es fühlt.

Trauer braucht Zeit und Raum

Ein Foto vom bemalten Pony erleichtert im nächsten Schritt den Gang zum Friedhof. Oft wird die ganze Familie in das Abschiedsritual eingebunden. Die Arbeit des Vereins geht aber weit über die akute Trauerphase hinaus. Durch die Pubertät, neue Partner der Eltern oder deren Art zu Trauern kommen neue Belastungen dazu.

"Trauer und Traurigkeit sind Gefühle, die Zeit und Raum brauchen", sagt Pädagogin Denise Schwendner. "Ich musste selbst schon prägnante Situationen im Leben meistern. Hier kann ich etwas zurückgeben." Von Anfang an hat sie die Betreuung der vier Mädchen übernommen.

Kinder, Tiere und Erwachsene auf Augenhöhe

Was am jeweiligen Tag passiert, entscheidet die Stimmung der Kinder und der Tiere. Auch ein Pony darf mal einen schlechten Tag haben. Damit wird auch Akzeptanz und der Umgang mit den Tieren geschult.

Beteuer und Kinder bei einem Ausflug | Bildquelle: WDR/Agata Pilarska

Heute jedoch ist die Stimmung bei allen Beteiligten ausgelassen und fröhlich: Mit zwei Ponys macht die Gruppe einen Ausflug in den Wald, um Bastelmaterial zu sammeln. "Das Team ist auch privat befreundet", erzählt Christian Krause. Das hilft den Mitarbeitern mit den tragischen Schicksalen der Kinder fertigzuwerden. Darüber hinaus können sie jederzeit einen Supervisor in Anspruch nehmen.

Die 7-jährige Esra* fühlt sich auf dem Rücken der Ponys besonders wohl: "Wenn ich reite, vergesse ich meine Sorgen." Sie versucht, das Gefühl noch genauer zu beschreiben. Leichtigkeit trifft es wohl am besten.

*Um die Privatsphäre der Kinder zu achten, wurden ihre Namen geändert.

Mama wird bald sterben: Wenn ein Kind Abschied nehmen muss Menschen hautnah 18.02.2021 43:35 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Justine Rosenkranz

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