Dortmund: Corona-Rede hat Nachspiel für Polizisten

Mann in Zivilkeidung auf Bühne vor Publikum

Dortmund: Corona-Rede hat Nachspiel für Polizisten

Von Christof Voigt

Weil er am Samstag auf einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen eine Rede gehalten hat, ist ein Polizist vorläufig aus dem Dienst genommen worden. Jetzt machen sich auch jüdische Gemeinden Sorgen: Denn der Mann hat an Sicherheitskonzepten für Synagogen mitgearbeitet.

Mit seiner Rede hatte sich Kriminalhauptkommissar Michael F. auch immer wieder an die in Dortmund eingesetzten Polizisten gewandt. Und sie aufgefordert, sich der Bewegung der Corona-Maßnahmen-Gegner anzuschließen. Der Beamte aus Hannover sagte unter anderem, dass es auf „die Polizei und die Soldaten“ ankomme, damit die Machtübernahme durch das Volk „unblutig" verlaufe.

Mann im T-Shirt am Mikrofon, die rechte Hand auf die Brust gelegt

Kriminalhauptkommissar Michael F. auf der Demo in Dortmund

Nur die Polizei könne der Politik die Macht entreißen und dem Volk zurückgeben. Der Beamte sieht Deutschland durch die Corona-Schutzmaßnahmen in einer Art Diktatur. Er wolle nicht, „dass die Polizei wie in dunklen Zeiten von der Politik missbraucht" werde.

Drohungen gegen Politik und Presse

Politikern und Journalisten rief er zu, „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Ihr habt euch quasi euer eigenes Grab geschaufelt.“ Damit bezog er sich auf Angaben zur Teilnehmerzahl bei der Demonstration der Corona-Maßnahmen-Gegner am 01.08.2020 in Berlin.

Nach offiziellen Angaben waren dort etwa 18.000 Teilnehmer. Michael F., der nach eigenen Angaben selbst teilgenommen hat, spricht dagegen von mehreren hunderttausend Teilnehmern.

Polizei prüft mögliche Konsequenzen

Auf Nachfrage des WDR wollte sich der Kriminalhauptkommissar am Sonntag nicht weiter zu seiner Rede äußern. Seine Polizeidirektion in Hannover hat aber nur einen Tag nach dem Auftritt in Dortmund reagiert. Dem Beamten sei ein „Verbot der Führung seiner Dienstgeschäfte“ ausgesprochen worden, so ein Polizeisprecher in Hannover.

Das sei noch keine Suspendierung, jeder Beamte habe das Recht auf freie Meinungsäußerung. „In ihrem Auftreten und bei ihren Äußerungen in der Öffentlichkeit sind sie dabei allerdings zur Mäßigung und Zurückhaltung aufgerufen“, schreibt die Polizei in einer Stellungnahme. Ob Michael F. mit seiner Rede zu weit gegangen ist, werde jetzt geprüft.

Michael F. hat an Sicherheitskonzepten mitgearbeitet

Derweil machen sich auch jüdische Gemeinden Sorgen. Denn Michael F. hat auch an Sicherheitskonzepten für Synagogen mitgearbeitet. Die Befürchtung: Das Wissen über die Sicherheitskonzepte könnte bei Michael F. in schlechten Händen sein.

Stand: 13.08.2020, 16:20