Suche nach Polizeipferden in NRW wird aufwändiger

Polizeibamte mit ihren Pferden beim Training

Suche nach Polizeipferden in NRW wird aufwändiger

Von Katja Goebel

  • Besuch bei der Polizeireiterstaffel in Dortmund
  • Nur eins von zehn Pferden schafft die Probezeit
  • Größe, Nervenstärke und Ausdauer gesucht

Zehn Uhr morgens, ein Sandviereck gegenüber dem Dortmunder Fußballstadion. Sechs Reiter trainieren gerade ihre Pferde. Alle tragen eine zwölf Kilo schwere Schutzausrüstung - inklusive Waffe. Und der Besucher merkt schnell: Auch die friedlich wirkenden Großpferde können ganz anders auftreten.

Von Pferden umzingelt

"Reiterkette vor" ruft Berittführer Thomas Klapper von der Reiterstaffel Dortmund seinen Kollegen zu. Die Pferde legen in Formation an Tempo zu. Die Reporterin schlüpft kurz in die Rolle eines Störenfrieds, wie er Beamten täglich begegnen kann.

Dann das Handzeichen zum "Einkreisen". Die Pferde kommen von allen Seiten sehr nah. Bewegung unmöglich. So also fühlt sich das an.

Polizei Reiterstaffel Dortmund 00:18 Min. Verfügbar bis 26.01.2020

700 Kilo Kompromisslosigkeit

"Wir arbeiten kontaktlos, weil die Menschen automatisch weichen", erklärt Roman Leyendecker, Leiter der Dortmunder Reiterstaffel.

Roman Leyendecker mit Pferd

Leiter der Reiterstaffel: Roman Leyendecker

Es geht aber auch anders. Einmal sei ein athletischer, großer Kerl bei einer Randale am Stadion widerrechtlich stehen geblieben und wollte die Pferde aufhalten. Da sei die Polizistin mit ihrem 700-Kilo-Pferd einfach weiter geritten. "Wenn sich zwei prügeln, gehen wir einfach dazwischen. Wenn so ein Pferd in Wallung gerät, tut es meistens auch weh. Die Masse ist da kompromisslos."

Pferde geben schnellen Überblick

Vor Jahren wurden die NRW-Polizeipferde zeitweise abgeschafft. Doch mit ihnen gelingt, was ohne die Vierbeiner schwierig ist. Beispiel Fußballspiel im Stadion: "Die Besucher haben ein bestimmtes Bewegungsmuster, wenn sie das Stadion verlassen. Wenn sich Leute aber was auf die Nase geben, dann ist das Bewegungsmuster anders, und das sehen wir von da oben sofort." Reiter sind schneller als Beamte zu Fuß.

Polizeipferde: Gelassen, mutig und ausdauernd

Dienstlich Polizeipferde zu reiten hat wenig mit Romantik zu tun. Manche Einsätze ziehen sich über 12 Stunden.

Polizeipferde

Die Reiter der Polizeistaffel Dortmund trainieren täglich mit ihren Pferden - auch bei Minusgraden.

Die Reiter der Polizeistaffel Dortmund trainieren täglich mit ihren Pferden - auch bei Minusgraden.

Unter den Polizeipferden gibt es auch solche mit besonderen Führungsqualitäten - so wie Bellmore (links im Bild). Der zehnjährige Wallach ist auch im Einsatz die Ruhe selbst und kann andere gut Pferde mitziehen. "Der bleibt auch in stressigen Situationen ruhig und ist auf seinen Reiter fixiert", so Betrittführer Thomas Klapper.

Thomas Klapper hat als Berittführer das Kommando. Er sagt an, wie sich die Reiter aufstellen sollen. Die geometrischen Formationen müssen präzise und schnell umgesetzt werden, um größte Wirkung zu erzielen.

Selbst im Training wird mit voller Ausrüstung geritten. Dazu gehören unter anderem eine schwere Schutzweste und Beinprotektoren, die auch vor Steinschlägen schützen sollen. Bis zu zwölf Kilo wiegt diese Ausrüstung.

Selbst die Arme sind gut geschützt. Denn: Beim Einsatz werden manchmal gezielt die Reiter angegriffen - nicht die Pferde.

Polizeipferde müssen in taktischen Ausstellungen laufen. Geht es darum, eine aggressive Menschengruppe zurückzudrängen, reihen sich Pferd und Reiter zu einer so genannten "Kette" auf. Die durchbricht keiner freiwillig. Müssen Menschengruppen voneinander getrennt werden, reiten die Polizisten in Keilform

Auch unter Polizeipferden gibt es welche, die es ihren Reitern nicht immer einfach machen. Wallach "Easy Rider" war so ein Kandidat, erzählt Roman Leyendecker, Leiter der Dortmunder Reiterstaffel. "Eine Diva, im Umgang eher schwierig." Bis zu dem besonders heißen Einsatztag, als Leyendecker dem Pferd Wasser gab. Von da an war das Eis gebrochen.

Großer Sympathieträger

Nicht jedes Pferd ist für den Polizeidienst geeignet. Von zehn Anwärtern schaffe es einer. Es werde immer schwieriger passende Pferde zu finden. "Es gibt keinen Markt für Polizeipferde", so Leyendecker.

Polizeipferde

Formationstraining für Polizeipferde

Gesucht werden große, nervenstarke Wallache, stabiler Typ mit Top-Gesundheit. "Heute wird für den Sport gezüchtet, die Pferde sind temperamentvoll und bewegungsfreudig." Man suche Pferde, die auch einen Zwölf-Stunden-Einsatz aushalten, wie beim G-20 Gipfel in Hamburg.

Die Kandidaten müssten außerdem eine bis zu 60-tägige Probezeit überstehen. Oft geht das Pferd wieder zurück. Welcher Händler macht das, wenn er das Pferd schneller an andere Interessenten verkaufen kann? "Und die Preise steigen."

Eines aber ist der Polizei noch wichtig: Die Pferde sind nicht nur Respekt einflößend, sie sind auch Sympathieträger. Genau wie ihre Reiter. "Hochmut auf dem Pferd - das kann ich nicht leiden", sagt Leyendecker zum Abschied.

Stand: 27.01.2019, 06:00