Nach Vertuschungsvorwürfen: Polizei Essen zeigt eigene Beamte an

Das Polizeipräsidium in Essen

Nach Vertuschungsvorwürfen: Polizei Essen zeigt eigene Beamte an

Ein Polizist soll einen gefesselten Mann in Mülheim geschlagen und seine Kollegen sollen ihn danach gedeckt haben. Nun hat die Essener Polizei selbst die Beschuldigten angezeigt.

Die Polizei Essen hat zwei leitende Beamte der eigenen Behörde angezeigt. Das hat die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presseagentur am Freitag bestätigt. Der Vorwurf lautet auf Strafvereitelung im Amt.

Die beiden Dienstgruppenleiter sollen Schläge eines Kollegen gegen einen gefesselten Mann gedeckt haben. Bei einem Einsatz Anfang 2019 soll er einen Mann bei dessen Festnahme in Mülheim geschlagen haben, als der bereits gefesselt gewesen sei.

Polizisten Mitglieder in rechtsextremer Chatgruppe

Der 39 Jahre alte Polizist soll außerdem Mitglied einer rechtsextremen Chatgruppe gewesen sein. Auch einer der beiden Dienstgruppenleiter ist bereits wegen des Verdachts, einer rechtsextremen Chatgruppe angehört zu haben, suspendiert.

Der andere leitende Beamte ist laut LAFP noch im Urlaub. Nach seiner Rückkehr soll über das weitere Vorgehen entschieden werden.

Dienstgruppenleiter wurden offenbar nicht aktiv

Laut Staatsanwaltschaft soll es bereits kurz nach dem Vorfall eine belastende Aussage einer Kollegin gegeben haben. Sie sei bei dem Einsatz anwesend gewesen und hatte das Verhalten des Polizisten geschildert. Die Dienstgruppenleiter sollen daraufhin aber nicht aktiv geworden sein.

Dafür kam das mutmaßliche Opfer der Polizei-Schläge selbst vor Gericht - weil er den Beamten zu Unrecht beschuldigt habe, ihn attackiert zu haben. Im Prozess kam heraus, dass es wohl doch zu den unberechtigten Schlägen kam.

Wer kontrolliert die Polizei? die story 21.10.2020 44:20 Min. UT Verfügbar bis 21.10.2021 WDR Von Christina Zühlke, Jan Keuchel

Stand: 27.10.2020, 17:27