"Hauptsache Liebe" - Pastor in Gelsenkirchen segnet homosexuelle Paare

Aquarell zeigt Herz aus Regenbogenfarben

"Hauptsache Liebe" - Pastor in Gelsenkirchen segnet homosexuelle Paare

Von Denise Friese

Über das Verbot aus dem Vatikan, Gleichgeschlechtliche zu segnen, ärgert sich Pastor Bernd Steinrötter. Ihm ist wichtig, dass jeder Mensch von der Kirche wahrgenommen wird, unabhängig von seiner Sexualität.

"Eigentlich würde ich auch gern einen Kiosk betreiben", sagt Pastor Bernd Steinrötter. Der 56-Jährige mag Menschen, spricht gern mit ihnen und hört zu, was die Leute in Gelsenkirchen-Beckhausen auf dem Herzen haben. Egal, ob hetero- oder homosexuell.

Wenn er um eine Segnung gebeten wird, geht es Bernd Steinrötter nicht um die sexuelle Orientierung: "Hauptsache Liebe ist in der Beziehung die Grundlage und Verbindung zwischen den beiden." Er sei schließlich Pastor und kein Richter.

Viel Zuspruch für "klare Kante"

Ein Mann sitz in seinem Büro an einem Tisch, im Hintergrund stehen Bücher und Aktenordner

Pastor Steinrötter aus Gelsenkirchen erhält Zuspruch

Für seine Haltung, die er auch in seinem Facebookprofil deutlich macht, hat Pastor Bernd Steinrötter nur Zuspruch bekommen. Auch per Telefon, in Mails und sogar in handgeschriebenen Briefen drücken Gläubige ihren Dank aus für seinen "Mut" und seine "klare Kante". Der Pastor findet es schade, dass sich Kritiker gar nicht melden. Gern würde er darüber sprechen, warum er das tut. Er sei auch offen für "Argumente gegen eine Segnung", sagt Bernd Steinrötter. Er höre eben allen zu, auch wenn es mal unangenehm werde.

Homosexuelle sollen von der Kirche wahrgenommen werden

Pastor Bernd Steinrötter aus Gelsenkirchen wirkt wie der nette Nachbar von nebenan. Mit Jeans und Pulli wirkt er nicht, wie ein "typischer" Pastor. Vielleicht auch, weil er das Leben außerhalb der Kirche gut kennt. Er hat Maschinenschlosser gelernt, war arbeitslos und er hatte auch Partnerschaften mit Frauen.

Bernd Steinrötter lebt zwar seit fast dreißig Jahren im Zölibat, er weiß aber sicher von sich, dass er heterosexuell ist. Seine Anerkennung von Homosexualität, auch durch Segnungen, entspreche einfach der Lebenswirklichkeit. "Es ist mir wichtig, dass Paare von der Kirche, von mir, wahrgenommen werden mit ihrer Lebensentscheidung", sagt der Pastor.

Vatikanpapier zu Homosexuellen: "Vergrault unendlich viele Gläubige"

WDR 2 16.03.2021 03:49 Min. Verfügbar bis 16.03.2022 WDR 2


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Stand: 24.03.2021, 13:33