Duisburg: Freispruch für Opfer von Polizeigewalt

Duisburg: Freispruch für Opfer von Polizeigewalt 01:46 Min. Verfügbar bis 11.09.2020

Duisburg: Freispruch für Opfer von Polizeigewalt

  • Opfer von Polizeigewalt freigesprochen
  • Polizist hatte Mann gegen Kopf getreten
  • Mann war wegen Widerstands gegen Polizeibeamte angezeigt

Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte musste sich vor dem Amtsgericht Duisburg-Ruhrort am Mittwoch (11.09.2019) der Duisburger Mehmet Kara verantworten, der im Juni 2017 Opfer eines polizeilichen Übergriffs geworden war. Nach fünf Stunden Prozess stand fest: Er ist freigesprochen. "Erleichtert", fühle Kara sich nach der richterlichen Entscheidung. "Zwei Jahre Last auf mir gehabt, immer wieder den Druck, dass die Entscheidung kommt, ich freigesprochen werde - die ist heute gekommen. Ich freue mich drüber. Das Rechtssystem läuft doch in Deutschland."

Falschparker-Kontrolle eskalierte

Was damals als Falschparker-Kontrolle der Polizei in Duisburg-Bruckhausen begann, eskalierte und entwickelte sich im Anschluss zum Politikum: Der damals 49-jährige Mehmet Kara hatte an einer Stelle geparkt, wo er es nicht gedurft hätte und wollte einen schweren Kompressor ausladen. Als er aufgefordert wurde, wegzufahren und seinen Führerschein zu zeigen, kam es zum Handgemenge. Kara beschuldigte einen Polizisten, ihn mit Tritten gegen den Kopf verletzt zu haben, als er bereits wehrlos am Boden lag.

Das Geschehen war von zwei Überwachungskameras im Treppenhaus aufgezeichnet worden. Das Video zeigt, wie mehrere Polizisten in einem Hausflur einen Mann zu Boden ringen, offenbar um ihn zu fixieren. Als der am Boden liegt, treffen ihn zwei Tritte am Kopf. Ein Polizist verschwindet durch die offen stehende Haustür auf die Straße. Der Mann bleibt einen Moment am Boden liegen. Dann wenden sich die Beamten ihm zu und richten ihn auf.

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"Laut Staatsanwaltschaft verhinderte der Angeklagte die Feststellung seiner Personalien und wollte sich von einer Einsatzstelle entfernen. Hierbei soll er sich dem Griff eines Polizeibeamten entwunden haben und mit diesem gerungen haben. Später soll er sich dann massiv gegen die Festnahme durch drei Polizeibeamte gewehrt haben", fasste Thomas Sevenheck, Sprecher des Duisburger Amtsgerichts, die Anklage gegen Mehmet Kara zusammen.

Verteidiger: "Unglückliche Situation"

Strafbar gemacht hat Mehmet Kara sich nicht - so entschied die Richterin am Mittwoch (11.09.2019). "Ich bin froh, dass die Richterin wirklich mit Augenmaß hier entschieden hat. Sie hat genau das richtige Urteil gesprochen, hat gesehen, dass keine Straftat begangen worden ist, dass es eine unglückliche Situation war", sagte Verteidiger Detlev Binder. "Der Angeklagte mag sich das eine oder andere Mal nicht richtig ausgedrückt haben - strafbar hat er sich nicht gemacht."

Der Polizist, der Mehmet Kara damals vor den Kopf getreten hatte, wurde bereits zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Gleichzeitig hatte die Staatsanwaltschaft aber auch gegen das Opfer Kara ermittelt und den Strafbefehl wegen Widerstands erlassen. Der ist nun vom Tisch.

Stand: 11.09.2019, 18:43

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