Bewegungsmangel: Projekt holt Kinder vom Sofa

Bewegungsmangel: Projekt holt Kinder vom Sofa

  • Studien: Kinder bewegen sich zu wenig
  • Vor allem Kinder aus sozial schwachen Stadtteilen
  • Projekt "Open Sunday" öffnet Turnhallen

Sporthallen werden sonntags häufig nicht genutzt. Das will das Projekt "Open Sunday" ändern und öffnet die Räume kostenlos für Kinder, wie der WDR am Sonntag (24.11.2019) berichtet.

Das Angebot hat einen durchaus ernsten Hintergrund, denn Kinder bewegen sich oft zu wenig, sagen Experten.

Wie groß ist das Problem?

Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts haben fast 90 Prozent der deutschen Schüler Gleichgewichtsprobleme. Ihnen gelingt es zum Beispiel nicht, länger als eine Minute auf einem Bein zu stehen.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, dass Heranwachsende täglich mindestens eine Stunde Sport machen sollten. Das schaffen aber nur wenige der untersuchten Elf- bis 17-Jährigen. Nur zwei von zehn Jungen, bei den Mädchen sogar nur eines von zehn.

Welche Ursachen und Folgen hat der Bewegungsmangel?

Forscher der Sporthochschule Köln betonen, dass Körper und Gehirn bei regelmäßiger Bewegung besser durchblutet werden. Denn so werden die Organe besonders gut mit Nährstoffen versorgt.

Vor allem Kinder aus sozial schwachen Familien leiden unter Bewegungsmangel, sagt Professor Dr. Ulf Gebken vom Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen. Viele Eltern hätten kein Geld, um ihre Kinder in Sportvereinen anzumelden, und bewegten sich selbst nur wenig.

Wie steuert das Projekt "Open Sunday" dagegen?

In mehreren Städten in Nordrhein-Westfalen gibt es inzwischen das Projekt "Open Sunday". Dabei werden Turnhallen an Grundschulen sonntags für Kinder in besonders von Armut betroffenen Stadtteilen geöffnet. Das Konzept geht auf: Bis zu 80 Schulkinder der ersten bis sechsten Klasse nutzen das kostenlose Angebot gemeinsam an den jeweiligen Standorten.

Laut Institut für Sport- und Bewegungswissenschaften der Universität Duisburg-Essen kommen die Kinder freiwillig und trainieren ihre Geschicklichkeit und den Gleichgewichtssinn. Dabei sind sie bis zu drei Stunden in Bewegung, messen sich mit anderen und erleben Gemeinschaft.

Bisherige Projektstandorte sind zum Beispiel Essen, Duisburg, Hilden, Gelsenkirchen, Herne und Bielefeld. Derzeit wird geprüft, ob das Land NRW das Projekt durch Fördermittel auch in anderen Städten finanzieren kann.

Stand: 24.11.2019, 06:30