Germanwings-Hinterbliebene scheitern mit Klage

Germanwings-Hinterbliebene scheitern mit Klage

Von Philip Raillon

Angehörige der 149 Opfer des Germanwings-Absturzes bekommen keinen Schadenersatz von der Lufthansa. Die Fluggesellschaft sei die falsche Beklagte, urteilte das Oberlandesgericht Hamm.

In einem Prozess um zusätzliches Schmerzensgeld nach dem Germanwings-Absturz vor mehr als sechs Jahren haben die Hinterbliebenen eine Niederlage einstecken müssen. Die Richter am Oberlandesgericht (OLG) Hamm wiesen am Dienstag die Berufungsklage mehrerer Angehöriger zurück, die von der Germanwings-Mutter Lufthansa zusätzliches Schmerzensgeld in Höhe von 30.000 Euro gefordert hatten.

Der Anwalt der Angehörigen hatte argumentiert, die Flugärzte hätten die psychische Erkrankung des Co-Piloten erkennen müssen und so die Katastrophe verhindern können. Da die Flugärzte formal bei der Lufthansa angestellt sind, richtete sich die Klage gegen die Airline. Die Lufthansa war der Mutterkonzern von Germanwings.

OLG folgt erster Instanz

Dem ist das OLG Hamm, wie schon in erster Instanz das Landgericht Essen, nicht gefolgt. Die Ärzte würden die Untersuchung für die zuständigen Behörde durchführen. Daher müssten die Angehörigen gegen das Luftfahrtbundesamt klagen. Es sei aber auch noch nicht bewiesen, dass die Ärzte überhaupt eine Mitverantwortung tragen.

Das Urteil wollten die Angehörigen in einer ersten Reaktion nicht akzeptieren. Sie haben nun vor, gegen die Bundesrepublik Deutschland zu klagen. Ein solcher Anspruch sei auch noch nicht verjährt, meinte ihr Rechtsanwalt Elmar Giemulla nach der Verhandlung am Dienstagabend in Hamm.

Weiteres Verfahren in Frankfurt anhängig

Auf die Entscheidung des Oberlandesgerichts hatten auch 80 weitere Angehörige gewartet, die in Frankfurt auf Schmerzensgeld gegen die Lufthansa geklagt haben. Wie sie nun auf die Berufungsentscheidung aus Hamm reagieren, ist vorerst offen. Sie dürften aber ebenfalls keine großen Aussichten auf Erfolg haben.

Germanwings-Flug 9525 war im März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf abgestürzt. Der damalige Co-Pilot hatte die Maschine offenbar bewusst in die Felswand gesteuert. Er riss 149 weitere Menschen mit in den Tod, darunter eine Schulgruppe aus Haltern am See.

Stand: 14.09.2021, 21:02