Brandbrief an Familienminister: Notbremse defekt, zu wenig Tests

Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte in Düsseldorf auf dem Boden.

Brandbrief an Familienminister: Notbremse defekt, zu wenig Tests

Von Lisa Myland & Petra Vennebusch

In Duisburg laufen die Kitas wieder mit Notbetreuung. Kita-Leiterinnen fordern von Familienminister Stamp jetzt eine klare Entscheidung.

Anders als vor einigen Monaten gilt jetzt: Wer sich selbst bescheinigt, dass er die Betreuung braucht, kann er sein Kind ohne Wenn und Aber bringen - so will es NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP). Das führt zu Unmut.

"Sinnloser kann eine Regelung nicht sein"

Duisburger Kitas: Notbetrieb statt Notbremse

Das heißt nämlich: Auch dort, wo die Inzidenzzahlen - wie in Duisburg - hoch sind, ändert sich wenig. Bei der Duisburger Kita "Die Rotznasen" ist deshalb trotz Notbetreuung fast alles beim Alten.

Für Kitaleiter Uwe Eichblatt ist das monatelange Jonglieren zwischen Normal- und Notbetrieb inzwischen nur noch nervig: "Ich kann einen Lockdown und auch einen Notbetrieb verstehen. Wenn er konsequent durchgezogen wird", sagt er. Dass jeder Elternteil seinen Bedarf an Kitabetreuung selbst bestimmen kann, dafür habe er kein Verständnis.

"Sinnloser kann eine Regelung nicht sein", sagt auch der Duisburger Verdi-Gewerkschaftssekretär Markus Renner. "Mich erreichen Stimmen der Erzieher gerade aus den sozialen Brennpunkten, die beklagen, dass die nun geltenden Regeln den Infektionsschutz ad absurdum führen."

"Das ist ein Teufelskreis"

Das kritisieren auch die 13 Leiterinnen der Kitas im Evangelischen Bildungswerk Duisburg. Sie haben deshalb einen Offenen Brief an den Familienminister geschrieben. Ihr Vorwurf: Einerseits sollten Kontakte reduziert werden, andererseits stünden Eltern enorm unter Druck.

Duisburger Kitas: Notbetrieb statt Notbremse

Monika Sens, Leiterin des Duisburger Bildungswerks

"Wir haben selbst Kinder und stecken sie in die Notbetreuung, um hier in den Kitas die Notbetreuung aufrecht zu erhalten. Das ist ein Teufelskreis", sagt Monika Sens, Leiterin des Duisburger Bildungswerks.

Ein Teufelskreis und immer wieder neue Fallstricke - die beschlossene Notbremse sei keine und auch Schnelltests gebe es viel zu wenige. Und dann auch noch die falschen.

Stamp setzt auf "sehr verantwortungsvolle" Eltern

Dass die Kitas durch die neue Regelung voll sein werden, glaubt Familienminister Stamp nicht: "Wichtig war der Wunsch nach einer bundeseinheitlichen Regelung. Wir machen es jetzt ähnlich wie in Bayern mit dieser Eigenerklärung - ich gehe davon aus, dass die Eltern sehr verantwortungsvoll damit umgehen."

Die Kita-Leiterinnen fordern von Familienminister Joachim Stamp allerdings, klar Position zu beziehen: die Kitas entweder zu schließen oder sie zu öffnen und Selbsttests für Kinder auf den Markt zu bringen. Die Not der Erzieher und Eltern ist groß, die Kräfte schwinden.

Stand: 26.04.2021, 19:51