Geräumte Häuser: Brandschutzmängel waren wohl seit Jahren erkennbar

In Duisburg-Homberg werden zwei Hochhäuser geräumt

Geräumte Häuser: Brandschutzmängel waren wohl seit Jahren erkennbar

  • Mieter nach Räumung weiter ratlos
  • Der Vorwurf: Brandschutzmängel waren offensichtlich
  • Stadt weist das zurück: Ausmaß sei erst jetzt klar

Fast drei Wochen leben die Bewohner der Häuser an der Husemannstraße 1 und 3 nun nicht mehr in ihrem eigenen Zuhause. Die Hochhäuser mussten sie Mitte Februar innerhalb weniger Stunden verlassen - wegen mangelnden Brandschutzes. Viele der Bewohner kritisieren die Entscheidung der Stadt scharf.

Birgit Berg wohnt momentan in einem Hotel. Dass der Brandschutz Grund für die Räumung war, versteht sie überhaupt nicht.

Bei einem Brand 2016 breitete sich der Rauch im ganzen Haus aus

Denn: In der Husemannstraße 1 hat es im Jahr 2016 bereits einmal gebrannt. Nach einem Feuer im Keller räumte die Feuerwehr damals alle elf Etagen. „Ich kam nach Hause und aus dem Schacht im Badezimmer kam Rauch“, erinnert sich Christine Delenko. Das Hochhaus wurde 2016 von der Feuerwehr geräumt und anschließend überprüft. Auch bei Birgit Berg war jemand in der Wohnung.  „Man hätte die Schächte doch finden müssen“, sagt die 59-Jährige.  

Genau die sind jetzt schließlich der Grund dafür, dass es laut Gutachtern „eklatante Brandschutzmängel“ gibt und die Bewohner ihre Wohnungen verlassen mussten. Durch die Schächte könne sich bei einem Brand der Rauch ungehindert im ganzen Haus ausbreiten.

Stadt Duisburg: Man muss sofort handeln

In einem Schreiben, das dem WDR vorliegt, begründet die Stadt Duisburg die Räumung mit der Aussage: „Entscheidend ist: Von dem Moment, in dem ein derart gravierender Mangel wie in diesem Fall entdeckt wird, muss gehandelt werden.“ Warum ist das dann nicht nach dem Brand im Jahr 2016 passiert, sondern mehr als zwei Jahre später, nachdem es einen anonymen Hinweis gegeben hatte?

Auf WDR-Anfrage schreibt die Stadt „Das Ausmaß der jüngst festgestellten Brandschutzmängel war damals nicht erkennbar." Die Stadt weist aber auch daraufhin, dass sie nicht beim Eigentümer nachgeprüft hat, ob der die Mängel hätte abgestellt hat. Bei der aktuellen Analyse werde der Brand aus dem Jahr 2016 aber eingebunden. Zudem soll der Vorfall zum Anlass genommen werden, interne Verfahren bei der Stadt zu verbessern.

Die Antwort auf die Frage nach der Schuld ist für Birgit Berg aber nicht das Wichtigste. Sie möchte wissen, ob und wann sie und ihre Nachbarn wieder nach Hause können: "Wir wollen endlich Sicherheit."

Stand: 06.03.2019, 14:30