Neuer Prozess gegen Ex-Agent Mauss in Bochum gestartet

Werner Mauss vor Gericht

Neuer Prozess gegen Ex-Agent Mauss in Bochum gestartet

Von Daniel Chur

  • Früherer Agent soll Steuern im Millionenbereich hinterzogen haben
  • Erster Prozess endete mit Bewährungsstrafe
  • Mauss' Anwalt beantragt Verfahrensaussetzung

Vor dem Landgericht Bochum muss sich seit Donnerstag (10.10.2019) der Ex-Agent Werner Mauss wegen Steuerhinterziehung verantworten - bereits zum zweiten Mal. Er tauchte wieder mit Kapuze über dem Kopf auf und sagte kein Wort zu den wartenden Reportern.

Sein Anwalt beantragte am Donnerstag, dass der Prozess ausgesetzt wird. Hintergrund sei ein neuer Zeuge, der bestätigen solle, dass es sich bei den von Mauss im Ausland deponierten Vermögenswerten um Geld eines Geheimdienstes handele. Die Bochumer Richter entschieden über den Antrag auf Aussetzung noch nicht.

Was genau wird Werner Mauss vorgeworfen?

Mauss soll zwischen 2002 und 2011 rund 15 Millionen Euro Steuern auf Wertpapiergeschäfte hinterzogen haben. Das Geld lag, so die Anklage, auf geheimen Konten etwa in Panama oder Luxemburg.

Mauss und seine Verteidiger beteuerten bereits im ersten Prozess 2016, dass das Geld nicht dem Ex-Agenten persönlich gehört, sondern er dieses von seinen Auftraggebern für geheime Missionen bekommen und nur treuhändisch verwaltet hätte - laut Anwalt soll es nun einen neuen Zeugen dafür geben.

Das Gericht hatte ihn am Ende zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zehn Jahre Haft gefordert.

Ex-Agent Mauss erneut in Bochum vor Gericht

02:34 Min. Verfügbar bis 09.10.2020

Warum wird der Fall neu aufgerollt?

Das Urteil von 2017 war umstritten, weil die Urteilsbegründung widersprüchlich war. Denn die Richter stellten gleichzeitig Unwissenheit bei Mauss, ebenso aber auch den Vorsatz der Steuerhinterziehung fest.

Nachdem sowohl Verteidigung als auch Staatsanwaltschaft Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt hatten, forderte dieser das Bochumer Landgericht auf, sich erneut mit dem Fall zu beschäftigen.

Gebäude des Justizzentrums in Bochum von außen

Das Justizzentrum in Bochum

Am ersten Verhandlungstag versteckte der Ex-Geheimagent sein Gesicht unter einer Kapuzenjacke. Viel besprochen wurde noch nicht, die Verhandlung musste allerdings wegen Formalien mehrfach unterbrochen werden.

Am Ende könnte Werner Mauss freigesprochen - oder zu einer deutlich höheren Strafe verurteilt werden.

Warum wird in Bochum verhandelt?

Werner Mauss lebt zwar in Rheinland-Pfalz, ist aber gebürtiger Essener. Lange Zeit war das Finanzamt Essen für ihn zuständig. Das Landgericht Bochum mit seiner Wirtschaftskammer hat sich in der Region auf solche Steuerfälle spezialisiert.

Allerdings ist diesmal in Bochum eine andere Wirtschaftskammer zuständig als im ersten Prozess.

Wer ist Werner Mauss?

Portrait von Ex-Agent Werner Mauss in seiner aktiven Zeit

Ex-Agent Werner Mauss, 1998

Der 79-Jährige gilt als "deutscher James Bond". Jahrzehnte war er im Auftrag der Bundesregierung und von Polizeibehörden in geheimer Mission unterwegs, befreite unter anderem Geiseln in Südamerika, jagte RAF-Terroristen oder verhinderte - nach eigener Aussage - einen geplanten Mord an Papst Benedikt.

Nur wenig ist über sein Wirken in den Siebzigern, Achtzigern und teilweise noch Neunzigern bekannt. Auch ist undurchsichtig, von wem er wann und wie Geld für seine Arbeit bekam.

Stand: 10.10.2019, 16:37