Thyssen-Krupp leidet schwer unter Corona

Sedište koncerna ThyssenKrupp

Thyssen-Krupp leidet schwer unter Corona

Von Jörg Marksteiner

  • 1,3 Mrd. Euro Verlust im ersten Halbjahr
  • Mehr als 30.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit
  • Aufsichtsrat berät am 18.05.
  • "Ganzes Ausmaß noch nicht abzusehen"

Thyssen-Krupp leidet schwer unter der Corona-Krise. Am Dienstag (12.05.2020) wurden die neuen Geschäftszahlen vorgelegt. Die wichtigsten Produkte der Essener sind derzeit kaum gefragt: Stahl und Autoteile. Werke wurden deshalb runtergefahren oder geschlossen, mehr als 30.000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die Folge: Der Stahlkonzern hat seinen Verlust in den vergangenen sechs Monaten mehr als verzehnfacht.

Hoffen auf Überweisung im Sommer

Unter dem Strich steht ein Minus von 1,3 Milliarden Euro. Und die Aussichten sind düster: In den kommenden drei Monaten könnte ein weiterer Milliardenverlust anfallen, fürchtet Konzernchefin Martina Merz: Noch sei "das ganze Ausmaß für unsere Geschäfte" nicht abzusehen. Denn wichtige Abnehmer wie die Autoindustrie haben ihre Produktion gedrosselt.

Ob Auftragseingang, Umsatz oder Gewinnkennzahlen – praktisch in allen Tabellen steht ein dickes Minus vor den Zahlen. Der Puffer für schlechte Zeiten, das Eigenkapital, hat sich halbiert. Für Entspannung sollte eigentlich der Verkauf der Aufzugsparte sorgen. Die Überweisung der 17 Milliarden Euro wird im Sommer erwartet, hieß es. Mit dem Geld sollten Schulden getilgt und z.B. in Stahlwerke investiert werden.

Coronavirus - Deutsches Gesundheitssystem - Thyssenkrupp - VW (28.02.2020)

WDR 5 Profit 28.02.2020 24:05 Min. Verfügbar bis 27.02.2021 WDR 5

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Spielräume werden enger

Doch jetzt geht es Thyssen-Krupp wie einem vorerkrankten Patienten, der sich nach einem schweren Eingriff auf dem Weg der Besserung wähnt – und dann an Covid-19 erkrankt. Denn je länger die Corona-Krise dauert, desto weniger wird am Ende übrig bleiben von der dringend benötigten Finanzspritze. "Corona wird den Spielraum deutlich einengen", sagt Firmenchefin Merz.

Was das für die 162.000 Mitarbeiter und die Standorte bedeutet, ist noch unklar. Am kommenden Montag (18.05.2020) berät der Aufsichtsrat über die Lage. Dabei könnte auch entschieden werden, welche Werke gestärkt werden – und wo möglicherweise noch stärker gespart werden muss. In einem Brief an die Mitarbeiter hatte Merz schon gewarnt, die Firma befinde sich in einer ernsten Lage: "Nichts darf mehr ausgeschlossen werden."

Stand: 12.05.2020, 08:24