Fußballverein will Neonazi loswerden

Lokalzeit aus Dortmund 23.02.2022 03:26 Min. Verfügbar bis 23.02.2023 WDR Von Christof Voigt, David Peters

Dortmunder Fußballverein will Neonazi loswerden

Stand: 24.02.2022, 08:32 Uhr

Der TuS Deusen hat ein Problem. Im Verein kickt ein bundesweit bekannter Rechtsextremist mit Kontakten in rechtsterroristische Milieus.

Von Christof Voigt, David Peters

Seit Ende 2018 kickt der bekennende Neonazi in der Altherrenmannschaft des TuS Deusen. Ein Vereinsmitglied hatte ihn mitgebracht und auch erzählt, dass der Mann einiges auf dem Kerbholz habe, dafür auch schon im Gefängnis gesessen habe. Dass es sich um einen der umtriebigsten Rechtsextremisten Nordrhein-Westfalens handelt, erzählt das Vereinsmitglied aber nicht.

Staatsschutz meldet sich beim Verein

Knapp ein Jahr später gibt es erste Beschwerden und der Vorstand realisiert, wen sich die Altherren da ins Team geholt haben. Mehreren Mitgliedern waren Tattoos des Rechtsextremisten aufgefallen. Und auch der Staatsschutz der Polizei meldet sich beim Verein und fragt, ob der Vorstand wisse, wer da jetzt beim TuS Fußball spiele.

Der Verein sucht das Gespräch mit dem Mann und will ihn zum Austritt bewegen, ohne Erfolg. "Wir waren nicht gut vorbereitet", resümiert ein Vorstandsmitglied. Statt den Rechtsextremisten rauszuwerfen, versucht der Verein sich mit dem Mann zu arrangieren: der Neonazi darf zwar weiter an den Spielen der Mannschaft teilnehmen, nicht aber am Training. Außerdem sollte er immer nur mit Rollkragen spielen, um ein markantes Tattoo am Hals zu überdecken.

Dortmunder Fussballclub will Neonazi loswerden

WDR 2 23.02.2022 00:25 Min. Verfügbar bis 23.02.2023 WDR 2


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Neonazi will Verein nicht freiwillig verlassen

Eine Lösung, die viele Mitglieder, und der 2020 neu gewählte Vorstand, nicht gut finden. Für den Vorsitzende des TuS Deusen, Marcel Eigenwillig, widerspricht die politische Einstellung des Neonazis den Werten des Vereins: "Die Werte unseres Fussballvereins sollten Toleranz und Weltoffenheit sein und das sind genau die Werte, die ein Neonazi nicht vertritt. Genau deswegen haben wir uns entschieden, zu sagen 'das hat bei uns im Verein keine Chance.'"

Marcel Eigenwillig und Tobias Walther vom TuS Deusen

Marcel Eigenwillig (links) ist Vorsitzender des TuS Deusen, Tobias Walther Vorstandsmitglied

Der Vorstand versucht erneut, den Neonazi loszuwerden. Das soll dem Mann in einem erneuten Gespräch auch mitgeteilt werden. Zu dem erscheint der Rechtsextremist aber nicht, sondern lässt stattdessen seinen Anwalt antworten: sein Mandant wolle den Verein auf gar keinen Fall verlassen, es gebe dafür auch keine rechtliche Grundlage.

Verein sucht Hilfe bei Beratungsstelle

Der Verein ist ratlos, lässt aber nicht locker. Er sucht sich Hilfe, bei der Stadt Dortmund, bei der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) und beim Landessportbund. Die Unterstützung ist wichtig und wirkt.

Leroy Böthel von der MBR aus Schwerte sagt, die Verunsicherung im Verein sei spürbar gewesen: "Unser Eindruck war schon, dass es da hinter vorgehaltener Hand viele Gespräche gab zu dem Thema. Es gibt viele, die sich da auch dran stören, sich aber nicht getraut haben sich da zu positionieren. Es ist sehr wichtig, dass das Thema im Verein gesetzt wird und der Vorstand auch die große Vereinsmehrheit hinter sich spürt."

Vereine sollten Thema nicht totschweigen

Deswegen habe man versucht, beim TuS eine größere Sensibilität für das Thema zu schaffen und viele Gespräche geführt. Ein offener Umgang mit dem Problem sei der einzige Weg zur Lösung. Den Rechtsextremisten zu verstecken oder das Thema totzuschweigen, sei grundsätzlich falsch, so Böthel: "Wenn wir es mit einer Person mit Verbindungen in rechtsterroristische Milieus zu tun haben, die einschüchternd ist, dann erschwert das natürlich den Umgang damit. Ein Verein ist auch immer eine mögliche Plattform für Neonazis dort zu agitieren, ihre Ideologie zu verbreiten und auch potenzielle Anhänger zu rekrutieren."

Das soll beim TuS Deusen auf gar keinen Fall passieren, sagt der Vorstand. Und bereitet den nächsten Versuch vor, den Neonazi loszuwerden. Diesmal mit Unterstützung von der MBR, der Stadt, dem Landessportbund und einem Rechtsanwalt. Zuviel möchte der Verein da aber noch nicht verraten. Damit der Rechtsextremist die nächste rote Karte vom TuS Deusen endlich akzeptiert. 

Über dieses Thema berichten wir auch in der Lokalzeit aus Dortmund im Fernsehen und Radio am 23.02.2022.