Stellenabzug nach geplantem Anschlag auf Lehrer in Dortmund

Schulleiterin Ellen Kreis und ihre drei Kollegen sitzen zusammen an einem Tisch. Sie sind enttäuscht über die Entscheidung der Bezirksregierung.

Stellenabzug nach geplantem Anschlag auf Lehrer in Dortmund

Von Sonja Gerhardt

  • 36 Wochenstunden sonderpädagogischer Betreuung sollen wegfallen
  • Dortmunder Schule befürchtet akute Nachteile für Schüler
  • Bezirksregierung sieht mehr Bedarf an Förderschulen

Im Mai 2019 lockten zwei Schüler einer Dortmunder Gesamtschule ihren Lehrer auf dem Schulgelände in einen Hinterhalt. Dort wollten sie ihn mit einem Hammer erschlagen. Weil der Lehrer misstrauisch wurde, scheiterte der Plan. Die Gesamtschule im Stadtteil Dorstfeld bemüht sich seitdem um Normalität.

Entscheidung der Bezirksregierung

Jetzt sorgt eine Entscheidung der Bezirksregierung Arnsberg für Aufregung im Kollegium. Die hat angekündigt, das Team der Sonderpädagogen zu verkleinern.

"Plusklasse" haben Sonja Kirschnick und ihre Kolleginnen das neue Konzept genannt, das sie nach den Sommerferien an der Martin-Luther-King Gesamtschule in Dortmund einführen wollten. Dabei sollen lernschwache und auffällige Kinder engmaschig und neben dem regulären Unterricht betreut werden.

So sollen Konflikte und Frust bei den Schülern früh erkannt und entschärft werden.  "Mit weniger Personal können wir dieses Konzept nicht umsetzen", erzählt Sonderpädagogin Sonja Kirschnick dem WDR am Freitag (05.07.2019). "Wir befürchten, dass Schüler dadurch hinten überfallen und wir vielen nicht mehr gerecht werden können", so Kirschnick.

Schule hätte mehr Rücksicht erwartet

Auch Schulleitung, Lehrer und die beiden Sozialarbeiter an der Gesamtschule sehen das so. Die Sonderpädagogen, für die Inklusion von Kindern mit Förderbedarf zuständig, arbeiten eng mit den Sozialarbeitern zusammen.

Schulleiterin Ellen Kreis zeigt sich enttäuscht über die Entscheidung der Bezirksregierung: "Gerade nach dem schlimmen Ereignis im Mai und dem, was wir hier danach durchgemacht haben, hätten wir uns mehr Rücksicht gewünscht."

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Bezirksregierung sieht mehr Bedarf an Förderschule

Die Bezirksregierung in Arnsberg erklärt, sie müsse den Mangel verwalten, es gebe landesweit zu wenig Sonderpädagogen. "Wir mussten die Entscheidung so treffen, weil diese Gesamtschule mit drei Sonderpädagogen verhältnismäßig gut aufgestellt ist und der Bedarf an Förderschulen noch größer ist" , erklärt Schuldezernent Burkhard Koller.

Man werde aber im Juli Gespräche mit dem Schulamt in Dortmund führen, ob vielleicht doch noch Personal für die Gesamtschule zur Verfügung stünde.

Lehrer warnt vor Stellenkürzungen

Der Lehrer, den die beiden Schüler auf dem Schulhof erschlagen wollten, warnt vor einer Stellenkürzung an seiner Schule: "Es muss ins Bewusstsein kommen, dass wir Lehrer hier auch mit jungen Menschen arbeiten, für die wir nicht ausgebildet sind. Dafür brauchen wir die Unterstützung der Sozialarbeiter und Sonderpädagogen unbedingt."

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Stand: 09.07.2019, 06:16